Olympia in hamburg: nachhaltigkeit im visier – oder nur teure illusion?
Hamburg wagt einen neuen Anlauf für die Olympischen Spiele, diesmal mit dem Versprechen von Nachhaltigkeit. Doch während die Stadtverwaltung und die Michael-Otto-Stiftung einen Dialogkreis ins Leben rufen, warnen Umweltverbände eindringlich vor den finanziellen und ökologischen Risiken. Kann Hamburg wirklich klimaneutral hosten oder droht ein teures Fiasko wie 2015?
Ein dialogkreis als hoffnungsfunke?
Die Michael-Otto-Stiftung hat einen Dialogkreis Nachhaltigkeit ins Leben gerufen, der eine breite Palette von Akteuren aus der Hamburger Gesellschaft vereint – von Sportverbänden und Wirtschaftsvertretern bis hin zu Gewerkschaften und Kirchen. Michael Otto, Hamburger Ehrenbürger und ehemaliger Konzernchef, betont die Unabhängigkeit des Gremiums. Katarina Fegebank, die zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin, sieht in dem Kreis einen „Sparringspartner“, der die Nachhaltigkeitspläne der Stadt kritisch hinterfragt. Ein lobenswertes Vorhaben, so scheint es.

Umweltverbände schlagen alarm
Doch die Euphorie hält sich in Grenzen. Umweltverbände wie der BUND Hamburg und der NABU äußern erhebliche Bedenken hinsichtlich der tatsächlichen Nachhaltigkeit einer Olympia-Bewerbung. Der BUND hat sich bereits im April 2026 gegen die Spiele ausgesprochen. Der NABU warnt vor „erheblichen ökologischen Folgekosten“, die die kurzfristigen Impulse bei Weitem überwiegen könnten. Die Luftbilanz allein, wie sie sich bei den Olympischen Spielen in Paris gezeigt hat (1,1 Millionen Tonnen CO2), ist ein erschreckendes Beispiel.

Die lehren aus der vergangenheit
Hamburg ist nicht zum ersten Mal mit der Frage der Olympia-Tauglichkeit konfrontiert. Bereits 2015 scheiterte eine Bewerbung an der Ablehnung der Hamburger Bürger. Damals war auch die Michael-Otto-Stiftung beteiligt. Der Ausgang war eindeutig: Die Bürger sahen die Risiken und stimmten gegen die Spiele. Nun steht am 31. Mai erneut eine Abstimmung an, bei der die Hamburger über die Bewerbung entscheiden werden. Die Briefwahl läuft bereits.
Konkurrenzkampf und klimaziele
Hamburg ist nicht der einzige deutsche Kandidat für die Olympischen Spiele 2036, 2040 und 2044. München, Berlin und die Rhein-Ruhr-Region drängen ebenfalls auf die Austragung der Spiele. Fegebank argumentiert, dass eine Bewerbung einen „Schub für die Klimaziele der Stadt“ bedeuten könnte. Hamburg strebt bis 2040 Klimaneutralität an. Allerdings kann die Stadt nur das kontrollieren, was in Hamburg passiert – Emissionen aus dem Luftverkehr lassen sich bestenfalls kompensieren, nicht vermeiden.
Die Frage bleibt: Ist die Verknüpfung von Olympischen Spielen und Nachhaltigkeit mehr als nur ein PR-Gag? Die Hamburger Bürger werden am 31. Mai darüber entscheiden müssen, ob sie bereit sind, ein weiteres Mal das Risiko einzugehen – und ob die versprochene Nachhaltigkeit tatsächlich Substanz hat. Die Erinnerung an das Ergebnis von 2015 sollte ein Mahnmal sein, bevor Hamburg erneut in einen teuren und möglicherweise ökologisch schädlichen Wettbewerb eintritt.
