Olaf lange zwingt dbb-frauen in lyon in die nächste extrarunde – und das soll berlin profitieren

Ein 20-Punkte-Rückschlag gegen Frankreich, ein WM-Ticket schon in der Tasche – und trotzdem sprintet Leonie Fiebich vor dem ersten Korbtraining durch die Halle, als ginge es ums Finale. Die deutschen Basketballerinnen haben in Lyon nichts zu verlieren, alles zu gewinnen: Zeit, Taktik und Vertrauen in den neuen Mann an der Seitenlinie.

Warum ein quali-turnier plötzlich wichtiger ist als die wm selbst

Olaf Lange schaut nicht auf das Scoreboard, er studiert Blickkontakte. 53 Jahre alt, zwei WNBA-Ringe in der Tasche, wieder zurück im DBB-Dress – diesmal ohne Netz und doppelte Absicherung. Sein Vertrag erlaubt ihm, nach New York zu fliegen, wenn die Liberty ruft. Genau das macht diese Woche in Lyon so wertvoll: fünf Spiele, sieben Tage, zwölf Spielerinnen, von denen sechs sonst fehlen. Kein Luxus, sondern ein Crashkurs.

Die Französinnen lieferten den Lehrstoff: 24 Ballverluste, 35 % Feldwurfquote, ein 22-Punkte-Debakel. Doch Lange lobt die Fehler, weil sie Fragen stellen. Wer setzt den Switch? Wer sprintet beim Missmatch zurück? Antworten lieferten Kolumbien und die Philippinen – mit 39 Assists gegen Letztere schraubte das Team einen neuen Quali-Rekord. Statistik? Nein, Visitenkarte für Berlin.

Die sabally-fiebich achse und das medaillen-kalkül

Die sabally-fiebich achse und das medaillen-kalkül

Nyara Sabally war neun Monate raus, jetzt ballt sie die Faust nach dem ersten Double-Double. Ihre Schwester Satou fehlt, dafür sitzt neben ihr diejenige, die sie nach Deutschland holte: Leonie Fiebich. Die Kapitänin betreibt interne Diplomatie, schickt Voice-Memos, organisiert Spieleabende. Zwischen den beiden New Yorkerinnen entsteht ein Miniatur-Abbild von Langes System: schnell, direkt, verletzungsresilient.

Ohne Marie Gülich, ohne Luisa Geiselsöder bleibt die Rotation dünn. Umso wichtiger: Jede der Zwölf kam in Lyon zweistellig zum Zug. Das verspricht Tiefe für September, wenn die besten 14 zusammenkommen – sofern alle gesund bleiben. Lange nennt das „Roster-Insurance von unten“, ein Satz, der klingt, als hätte er ihn in der WNBA gelernt.

Die letzte prüfung heißt nigeria – und dann fliegt die uhr

Die letzte prüfung heißt nigeria – und dann fliegt die uhr

Am Montag wartet das afrikanische Topteam, dann verstreicht die Deadline. Die WNBA ruft, die Spielerinnen zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen. Was bleibt, sind Videos, Notizen – und ein Gefühl. „Wenn wir das hier richtig verpacken, fliegen wir im September nicht nur als Gastgeber, sondern als Jäger aufs Parkett“, sagt Fiebich. Kein Pathos, nur eine Tatsache: Wer die eigenen Schwächen in Lyon kennt, kann in Berlin die Gegner treffen.

Lange packt bereits die Koffer, aber er lässt einen Satz zurück: „Wir sind keine Bummeltruppe vom Wochenende.“ Berlin soll sich freuen – und die Konkurrenz warnen.