Ofc wird 125: wie barbara klein den bieberer berg mit absätzen befriedete

125 Jahre Kickers Offenbach – und eine 85-jährige Witwe steht noch immer an der Seitenlinie, als wäre es gestern gewesen. Barbara Klein trägt die Geschichte des OFC in jeder Faser, in jedem Riss ihrer Stimme. Und sie lacht noch immer über den Tag, an dem sie in High Heels den Rasen stürmte, um eine Massenschlägerei zu verhindern. "Der Platzwart drohte mit dem Tod, der Schiedsrichter grinste", erinnert sie sich.

Die kleine, die den rasen vertikultierte

Es war ein Spiel wie so viele in den 80ern: Linienrichter wurden mit Feuerzeugen beworfen, Fans randalierten. Der damalige Obmann wandte sich hilfesuchend an Barbara. "Geh mal runter, beruhig die Leute." Sie zögerte keine Sekunde, griff nach Mikro und Absätzen. "Ich weiß bis heute nicht, woher ich den Mut nahm." Die Szene machte sie zur Legende – nicht nur im Stadion, sondern in der Stadt. Die "Waldemar-Klein-Tribüne" trägt seitdem den Namen ihres Mannes, der 2009 starb. Heute stehen dort fast 3.000 Menschen, egal ob Hartz IV oder Vorstandsetage. "Das ist die Großfamilie OFC."

Ein versprechen, das sie nie brach

Ein versprechen, das sie nie brach

Barbara Klein war Vizepräsidentin, Ehrenrepräsentantin, Seelenpflegerin. 2019 legte sie das Amt aus Altersgründen nieder – aber nicht das Versprechen. "Ich hatte es Waldemar gegeben: Wenn mit mir etwas passiert, bleibe ich dem OFC treu." Und das tut sie. Mit 85 Jahren noch immer jedes Heimspiel, jedes Auswärtsspiel, jedes Krisengespräch. "Was ich verspreche, halte ich."

Die wunde, die nie verheilt

Die wunde, die nie verheilt

13 Jahre Regionalliga. Kein Aufstieg, kein Durchmarsch. "Ich wünschte mir damals schon den Sprung in die 2. Liga, dass wir uns dort festkrallen", sagt sie leise. Doch sie weiß: Fußball ist kein Mathebuch. "Unberechenbar wie ein Casino. Man bekommt 500 Euro und soll mit 50.000 rauskommen – so funktioniert das nicht."

Die Fans sind die Konstante. Die neuen Sicherheitsvorkehrungen im Stadion haben die alten Raufbolde domestiziert. "Früher gab es Schlägereien. Heute ist es ruhiger. Aber die Leidenschaft ist dieselbe."

Neue hoffnung, alter stolz

Neue hoffnung, alter stolz

Jetzt kommt Maximilian Schmid aus Aue – 23, aus Hanau, hungrig. Geschäftsführer Martin Pieckenhagen schwärmt: "Er hat Qualität, die uns hilft." Barbara nickt. Sie hat gesehen, wie viele Talente kamen und gingen. Doch sie glaubt noch immer. "Das größte Gut ist der Anhang. Dafür müssen wir dankbar sein."

Am 27. Mai 2026 feiert der OFC seinen 125. Geburtstag. Barbara Klein wird dabei sein – wieder mit Absätzen, wieder mit Tränen, wieder mit diesem leisen Puls, der seit fast fünf Jahrzehnten den Bieberer Berg durchströmt. "Ich werde bleiben, bis der Rasengott mich holt."