Öfb-frauen gegen slowenien: sieben siege reichen nicht mehr – heute zählt nur ein neuanfang
Klagenfurt, 19.45 Uhr, Stadio Z'dežele: Österreichs Fußball-Frauen stehen vor einem Spiel, das keine Statistik mehr schützt. Sieben Mal trafen sie auf Slowenien, sieben Mal jubelten sie – doch diese Zahlen sind Makulatur. Der Gegner hat sich gewandelt, und die ÖFB-Auswahl muss beweisen, dass sie mehr ist als die Mannschaft, die Norwegen mit 0:1 unterlag.
Die Sloweninnen, FIFA-Rang 38, kassierten beim 0:5 in Deutschland zwar ein Debakel, doch genau das macht sie gefährlich. Mateja Zver, beim HSV bestens bekannt, und ihre Mitspielerinnen werden mit dem Rücken zur Wand auflaufen. „Sie werden sehen, dass sie gegen uns die größten Chancen auf Punkte haben“, warnt Teamchef Alexander Schriebl. Der Salzberger rechnet mit einem „selbstbewussten, fast befreiten Team“.
Mehr ball, mehr risiko
Gegen Norwegen wartete Österreich hinter dem Ball – heute soll die Selektion führen. „Der ganz große Unterschied: Das Spiel findet nicht mehr in unserer Hälfte statt“, so Schriebl. Seine Spielerinnen bekommen mehr Ballbesitz, müssen aber auch die richtige Lücke finden, ohne in Hektik zu verfallen. Kapitän Sarah Puntigam kündigt Angriffspressing als Plan A an: „Wir dürfen nicht in Panik geraten, wenn wir nicht früh treffen.“
Der Platz in Koper wird zur zweiten Unbekannten. Rasen gelb, Stellen hart – kein Teppich für Kombinationsfußball. „Unser Pressing kann gerade auf einem schlechten Platz zur Waffe werden“, sagt Puntigam. Die ÖFB-Elf erinnert sich gern an das letzte Gastspiel dort: 2024 noch ein 3:0, allerdings fielen die Tore erst in der Schlussphase. Genug Zeit also für Nervenflattern, wenn die Führung ausbleibt.

Keine rotation, höhere erwartung
Personell will Schriebl kaum rühren. „Alle haben gut gemacht“, sagt er und meint damit auch die Niederlage gegen Norwegen, in der seine Mannschaft kämpferisch glänzte. Sophie Hillebrand befindet sich in Top-Form, die Viererkette bleibt stabil. Doch die Erwartungshaltung wächst: Platz eins in Liga A, Gruppe 4 ist das Ziel, der direkte WM-Ticket-Zug.
Die Arena bietet kaum Rückendeckung – nur 1.000 Zuschauer werden erwartet, weniger als beim Heimspiel in Graz. Die Spielerinnen müren sich selbst. Ein Sieg heute würde nicht nur die Tabellenführung bedeuten, sondern auch die Psyche aufrichten vor dem nächsten Gipfeltreffen gegen Deutschland. Denn wer in dieser Gruppe zweimal stolpert, flirtet mit dem Abstieg aus Liga A – und damit mit dem Traum von der WM 2027.
Die Geschichte spricht für Österreich, die Gegenwart für einen Neustart. Schädel zählen nicht, Punkte schon. Um 21.30 Uhr wissen wir, ob die Siegesserien weiterlebt – oder ob ein neues Kapitel beginnt, geschrieben von einem Team, das endlich seine eigene Geschichte schreibt.
