Odermatt räumt wieder ab: die nacht, in der schweizer sportgeschichte geschrieben wurde

Marco Odermatt hat’s wieder getan. Fünf Mal nacheinander. Und dabei sah es nach dem ersten Durchgang noch gar nicht nach einem klaren Sieg aus. Doch als um 23.07 Uhr die letzte Stimmung aufleuchtete, stand fest: Der Nidwaldner ist auch 2025 der «Sportler des Jahres». 33,2 % der 56.000 Abstimmenden ließen keinen Zweifel – trotz Noè Pontis Weltrekord im Kurzbahn-Butterfly und Franjo von Allmens Snowboard-Triple.

Die frauen, die das schweizer sportjahr prägten

Geraldine Reuteler trat ans Mikro, atmete tief durch und brach in einem Satz die ganze EM-Sommer-Sehnsucht zusammen: «Was wir erlebt haben, war Magie.» Die 25-Jährige aus Rickenbach setzte sich gegen drei Torhüterlegenden durch – und das, obwohl sie selbst erst seit zwei Jahren im Nationalteam steht. Ihre Mutter stand dabei in Reihe drei, Tränen in den Augen. 12.000 Franken Preisgeld gibt’s für den MVP, aber der Applaus im Hallenstadon klang, als wären es Millionen.

Ditaji Kambundji spürte denselben Lärm. 44,2 % der Zuschauer:innen wählten die Hürden-Weltmeisterin zur «Sportlerin des Jahres» – ein Vorsprung, selbst für Schweizer Verhältnisse gigantisch. «Ich laufe zwar allein», sagte sie, «aber dieser Titel ist Teamarbeit.» Dahinter stand Coach Nils Hämmerli, der ihr die Startblöcke jeden Morgen um 6.30 Uhr aufstellt, und die Zwillingsschwester, die die Spikes putzt.

Patrick fischer und das letzte tanz-versprechen

Patrick fischer und das letzte tanz-versprechen

Zweimal Rede, zweimal Standing Ovations. Zuerst hob das Schweizer Eishockey-Team den Pokal als «Team des Jahres», dann schritt Patrick Fischer selbst die Bühnentreppe hinauf. «Ich gehe danach», sagte der Walliser, «aber erst nach der Heim-WM.» Die Ankündigung fiel so leise, dass sie im Medienraum für Sekunden absolute Stille auslöste. 2026 in Zürich und Lausanne will er den Abschied nehmen – mit Gold oder ohne, aber mit dem Rücktritt in der Tasche.

Catherine Debrunner wiederum schob sich schon in den Rollstuhl für die nächste Saison. Fünf Golds über 100 bis 5000 Meter bei der WM in Kobe – das ist keine Leistung, das ist Sportmathematik. «Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag ein bisschen schneller zu werden», sagte die Thurgauerin. Das klingt banal, bis man weiß, dass sie dafür 365 Tage im Jahr 25 Stunden-Wochen absolvieren muss.

Debora annen und die 12.000 franken, die ein bobteam stemmen

Debora annen und die 12.000 franken, die ein bobteam stemmen

Die Bobpiste in St. Moritz kostet pro Fahrt 280 Franken. Debora Annen kann sich das ab sofort 42 Mal leisten. Die 23-Jährige gewann die «Best Talent»-Abstimmung von SRF 3 und kassierte die Förderung, die sie direkt in Carbon-Kufen stecken will. «Ich will 2026 in Cortina eine Medaille», sagte sie, ohne mit der Wimper zu zucken. Das klingt nach Marketing – bis man weiß, dass sie seit 14 Jahren jeden Samstag um 5 Uhr aufsteht.

Und dann war da noch Marco Odermatt. Er trat ans Mikro, lächelte verlegen und sagte: «Ich hätte es den anderen auch gegönnt.» Das ist keine Floskel, sondern eine Erkenntnis nach fünf Jahren an der Spitze. Die Kristallkugeln stapelt sich im Wohnzimmer, die WM-Goldmedaille hängt im Fitnessraum. «Erschöpfung ist da», gab er zu, «aber Dankbarkeit überwiegt.»

Die Show endete um 0.11 Uhr. Draußen warteten bereits die ersten Fans auf Autogramme. Drinnen begann das Abbauen der 1,2 Tonnen schweren LED-Wand. In genau 364 Tagen ist wieder Sports Awards – und Odermatt wird dann vielleicht nicht mehr auf der Bühne stehen. Aber diese Nacht bleibt: als die Schweiz ihre Sportler feierte, ohne sich auf die Vergangenheit zu besinnen. Als wäre die Zukunft schon jetzt angekommen.