Ober-roden träumt laut: 0:4 gegen wiesbaden trotzdem ein fest

2.000 Zuschauer, ein Sechstligist, der kurz vor der Sensation stand, und ein Drittligist, der froh war, mit 4:0 davongekommen zu sein. Die Nacht von Ober-Roden roch nach Bier, Bratwurst und einem Hauch von Pokalmagie.

Die Zahlen sind hart: 0:4. Doch die Stimmen klingen, als hätte Germania Ober-Roden gewonnen. „Wir haben es in unserem Rahmen sehr ordentlich gemacht“, sagt Trainer Fabian Bäcker nach Abpfiff. Seine Spieler haben das Trikot schweißgetränkt, die Fans feiern sie trotz Niederlage wie Helden. Der Grund: Sie haben den Favoriten aus Wiesbaden gezittert, lange gezittert.

Das frühe eigentor, das alles entschied

Schon in der 7. Minute lenkt Abwehrspieler Maik Neuendorf einen harmlosen Schuss von Robin Kalem ins eigene Netz. Kalem selbst bekommt den Treffer nicht mit – er liegt am Boden, schlägt sich auf den Rasen, glaubt zunächst an Freistoß statt an Tor. Kurios, aber symptomatisch für die Nacht: Glück für Wiesbaden, Pech für Ober-Roden.

Die Germania wehrt sich, aber der Drittligist lässt nichts anbrennen. Daniel Scherning, SVWW-Coach, hatte seine Mannschaft gewarnt – das 2:1 im Viertelfinale bei Fernwald war zu knapp gewesen. Diesmal agiert Wiesbaden konzentriert, zieht nach Standards und Kontern eiskalt davon.

Chancen wie schnee im frühling

Chancen wie schnee im frühling

Ober-Roden schießt nur einmal aufs Tor. „Wir sind gar nicht zum Abschluss gekommen“, klagt Bäcker. Nach der Pause zwei hohe Balleroberungen – nichts draus. Gegen Kassel hatte weniger gereicht. Doch Wiesbaden verteidigt mit Profi-Kühle. Die Germania rennt, aber sie trifft nur die Wiesbadener Abwehrmauer, nie den Ball.

Trotzdem: Die Stimmung ist grandios. Die Haupttribüne ist ein einziges Wackeln, die Fans singen bis zuletzt. „Es war ein tolles Event und ein tolles Fußball-Erlebnis für uns als Verein“, sagt Bäcker. Auch Kalem zollt Respekt: „Die Kulisse war echt cool.“

Nächstes jahr wird wieder geangelt

Nächstes jahr wird wieder geangelt

Während Wiesbaden im Finale auf die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz trifft, schmiedet Ober-Roden schon neue Pläne. „Da müssen wir jetzt im Kreispokal wieder anfangen und dann nächstes Jahr einen neuen Versuch starten“, sagt Bäcker. Keine Träne, keine Klage – nur Vorfreude. Der Underdog hat sich selbst übertroffen und ist bereit, erneut zu träumen. Die Niederlage? Schon vergessen. Das Märchen lebt weiter.