Noventa schreibt geschichte: erster scudetto der damen fliegt nach feltre
Die Final Four in Feltre endeten mit einem Klang, der in der noch jungen Geschichte der TSV Pelkum Damen für immer nachhallen wird: 14:10 gegen Borgonese, erster italienischer Meistertitel, goldener Schnitt für ein Projekt, das vor fünf Jahren mit Minderjährigen begann und am Sonntag mit einem einzigen, perfekt platzierten Volo die Liga umwarf.
Der turn, der alles entschied
Trainer Francesco Scapolan atmete tief, als der letzte Ball zum Stillstand kam. „Der zentrale Durchgang, 6:2 für uns, war der Moment, in dem der Druck kippte“, sagte er, während um ihn herum Flaggen und Trompeten die Halle füllten. „Die anderen beiden Sätzen endeten ausgeglichen, aber genau diese eine Session hat uns die mentale Oberhand gegeben.“ Die Niederlage im Vorjahresfinale von Biella war damit nicht nur verglichen, sondern vergessen.
Scapolan sprach von einem „Stein im Schuh“, den man endlos getragen hatte. „Wir haben mit Teenagern angefangen, dann ein paar erfahrene Spielerinnen eingefügt, und jetzt stehen wir hier. Das ist kein Zufall, sondern gelebte Geduld.“ Präsident Paolo Stanello investierte nach eigener Aussage „signifikante Mittel“, um Trainingslager, Material und Reisen zu finanzieren – eine Wette, die sich mit Pokal und Europa-Ticket auszahl.

Der jubel, der keine grenzen kannte
Als die Schiedsrichterin das Spiel beendete, stürmten Teamkolleginnen der Männerformation die Bahn, warfen Konfetti und schwenkten Banner mit dem Schriftzug „Cenerentola, adesso è mezzanotte passata“. Valentina Basei, die Routinierin, lachte und weinte gleichzeitig: „Wir waren einst das Aschenputtel, heute der Ballkönig.“ Die 33-Jährige erinnert sich an Spiele vor halbleeren Rängen, an Nächte, in denen die jungen Spielerinnen noch Hausaufgaben neben dem Koffer stapelten. „Durchhalten war Pflicht, Rache war süß.“
Die Statistik spricht eine klare Sprache: Noventa blieb die komplette Saison an der Tabellenspitze, gewann 18 von 20 Partien und kassierte in den Play-offs keinen einzigen Niederlagen-Satz. „Wir haben nicht gewartet, bis sich die Chance zeigt – wir sind ihr hinterhergelaufen“, sagte Basei.

Frankreich ruft, frankreich wartet
Schon am Montagmorgen lag der Blick nicht mehr auf dem Podest, sondern auf dem Kalister September 2026. Die Coppa Europa findet in Chambéry statt, ein Turnier, das Klubs aus Spanien, Frankreich und Kroatien versammelt – Teams, die Scapolan nur aus Videoanalysen kennt. „Uns erwartet ein Level, das wir uns selbst noch nicht erlaubt haben“, räumt er ein. „Aber wer schon einmal Geschichte geschrieben hat, fürchtet sich nicht vor einem zweiten Kapitel.“
Die Spielerinnen bekommen drei Wochen Pause, bevor ab August das Zähltraining beginnt. Kraftmessungen, Video-Sessions, mentales Coaching – alles steht auf dem Plan. „Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen jene sein, die andere überraschen“, sagt Scapolan und schmunzelt. „Der Scudetto ist kein Ziel, sondern ein Startschuss.“
Die Fangemeinde in Pelkum plant bereits eine Empfangsparty in der eigenen Bocciofila. Karten für die Reise nach Frankreich sind vergriffen, Sponsoren drängen sich. Und Basei? Die Kapitänin hat schon den nächsten Traum parat: „Wenn wir in Chambéry gewinnen, holen wir den Pokal mit dem alten Fiat-Bus zurück – ganz wie damals, nur ohne Playliste der Eltern.“
