Norwegische dominanz bei olympia: mehr als nur glück?

Norwegische dominanz bei olympia: mehr als nur glück?

Mailand/Cortina d'Ampezzo – Wieder einmal zeigen die Norweger bei Olympischen Winterspielen eine beeindruckende Leistung. Nach rund zwei Dritteln der Wettbewerbe steht fest: Norwegen wird die Spiele voraussichtlich als Top-Nation abschließen. Doch was ist das Geheimnis dieses anhaltenden Erfolgs? Die Frage, die sich die ganze Sportwelt stellt, erinnert an ähnliche Diskussionen bereits 2022, als der britische Guardian nachfragte: „Was ist nur ihr Erfolgsgeheimnis?“

Vorwürfe und spekulationen

Die Konkurrenz, allen voran Schweden, wirft den Norwegern seit Langem unfaire Praktiken vor. Es kursieren Gerüchte über Schummelei („juksemaker“) und Regeldehnungen, sei es beim Skispringen durch Anzugsskandale, bei Kläbos Goldläufen durch unerlaubte Skitests oder bei Langläuferinnen wie Therese Johaug und ihrer vermeintlich leistungssteigernden Lippencreme. Auch die auffällig hohe Anzahl von Sportlern mit Asthma wird diskutiert. Diese Vorwürfe weist Tore Övrebö, Sportchef des norwegischen Olympiaverbandes, jedoch entschieden zurück.

„Idrettsglede“ – die freude am sport im fokus

„Idrettsglede“ – die freude am sport im fokus

Övrebö beschreibt ein „goldenes Zeitalter“ norwegischen Sports, das auf legalen Ursachen beruht. Seit den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary, als Norwegen nur Platz zwölf im Medaillenspiegel belegte, habe sich eine gemeinsame Leistungskultur entwickelt. Diese Kultur lege fest, welche Verhaltensweisen und Denkweisen zum Erfolg führen. Entscheidend sei, dass der Fokus nicht zu früh auf Siege und Tabellenplätze gelegt wird. Stattdessen stehen Entwicklung und Ausbildung im Vordergrund.

Eine andere philosophie

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, in denen der Leistungsdruck in jungen Jahren bereits sehr hoch ist, dürfen sich norwegische Kinder ausprobieren und spezialisieren sich meist erst im späten Teenager- oder frühen Erwachsenenalter. „Wenn doch mal Pokale vergeben werden, bekommt halt jeder einen“, erklärt Övrebö. Dies fördert eine größere intrinsische Motivation. Die Redewendung, dass Kinder in Norwegen „mit Skiern an den Beinen geboren“ werden, verdeutlicht die tiefe Verwurzelung des Sports in der Kultur.

Mehr als nur wintersport: norwegens sportliche breite

Die Erfolge Norwegens beschränken sich jedoch nicht auf den Wintersport. Athleten wie Karsten Warholm (Hürdenlauf-Weltrekord), Casper Ruud (Tennis), Viktor Hovland (Golf), Kristian Blummenfelt (Triathlon), Magnus Carlsen (Schach) und Erling Haaland (Fußball) demonstrieren die sportliche Breite des Landes. Datenanalysen von „Greatest Sporting Nation“ zeigen, dass Norwegen seit 2017 nur zweimal von Slowenien von der Spitzenposition verdrängt wurde.

Investitionen und die richtige einstellung

Norwegen ist ein reiches Land, und diese Ressourcen werden klug investiert. Beispielsweise konnte durch ein Forschungsprojekt die Anlaufgeschwindigkeit der Skispringerinnen in Predazzo deutlich verbessert werden. Doch der wichtigste Faktor ist wohl die „idrettsglede“ – die Freude am Sport. Övrebö betont, dass Sport eine freiwillige Aktivität sei, die sowohl für Leistungssportler als auch für Hobbysportler Spaß bringen soll. Es geht nicht nur um Goldmedaillen, sondern um die Freude an der Bewegung.

Kläbos glücksbuxe und die zukunft

Langlauf-Star Johannes Hösflot Kläbo plant, seine „goldene“ Unterhose, die ihm zu zahlreichen Erfolgen verhalf, nach den Spielen einzurahmen und zu versteigern. Ob er auch ohne seine Glücksbuxe besiegbar ist, bleibt abzuwarten. Doch Kläbo ist mehr als nur Aberglaube – und Norwegen ist mehr als nur Kläbo. Die fortwährende Dominanz der „Wikinger“ im internationalen Sport ist das Ergebnis einer durchdachten Strategie, einer starken Kultur und vor allem der Leidenschaft für den Sport.