Norwegen-vernichtung: dfb-team schießt sich in wm-form
Ann-Katrin Berger spuckte grünen Kunstrasen und lachte trotzdem. 4:0 in Stavanger, 9:0 Gesamttore nach zwei Spielen – die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat die Qualifikation zur WM 2027 in Brasilien längst zu einer Selbstinszenierung erklärt.
Die torhüterin als schutzengel
Die 35-Jährige kassierte gegen Norwegen nicht nur einen Ball an die Rippe, sondern auch ein Knie in den Oberschenkel. „Ich habe ein paar Mal was abbekommen. Aber das gehört zum Fußball“, sagte sie später im ZDF und wischte die Verletzung weg wie einen Regentropfen. Dabei hätte ein einziger norwegischer Treffer die ganze Nacht ruiniert. Denn zwischen der 18. und 58. Minute schossen Elisa Senß, Carlotta Wamser, Vivien Endemann und Jule Brand die Skandinavierinnen in Grund und Boden. Die norwegische Abwehr wirkte wie ein Satellit ohne Empfang – ständig eine Sekunde zu spät.
Christian Wück saß auf der Bank und war trotzdem nicht zufrieden. „Wir hatten Phasen, die sehr dominant waren“, sagte der Bundestrainer, „aber auch nachlässige Abschnitte.“ Das klingt nach Luxusproblemen, ist aber Fakt. Deutschland dominierte 60 Minuten, schaltete dann auf Sparflamme und hätte beinahe doch noch einen Gegentreffer kassiert. „Da müssen wir uns bei ‚Anne‘ bedanken“, räumte Wück ein. Die Torhüterin war die Notbremse, als ihre Vorderleute plötzlich die Orientierung verloren.

Der 14-tage-effekt
Berger nannte den Grund für die Souveränität: „Wir waren fast 14 Tage zusammen, das macht einen Riesenunterschied.“ Länderspielfenster sind sonst ein Wochenendtrip. Diesmal wurde daraus ein Kurz-Training camp. Die Automatismen wachsen, die Pässe kommen flacher, das Timing sitzt. Die Zahlen sprechen: 9:0 Tore, 6:0 Punkte, Null Gegentore. Nur die Konstanz fehlt noch. „Wir müssen die Leistung über 90 Minuten bringen, nicht nur über 60“, forderte Berger. Das klingt nach Ansage an Österreich, den nächsten Gegner am 14. und 18. April.
Die Norwegerinnen verließen das Stadion mit dem Gesichtsausdruck von Lehrlingen, die gerade die Meisterprüfung versenkt haben. Deutschland dagegen fuhr mit dem Selbstbewusstsein nach Hause, das man nur bekommt, wenn man weiß: Selbst an einem schlechten Tag reicht es noch zu einem Kantersieg. Die WM 2027 in Brasilien rückt ein Stück näher. Und Ann-Katrin Berger? Die wird weiter grünen Kunstrasen spucken – und trotzdem lächeln.
