Norwegen wird zum schweizer wohnzimmer: acht rennen, ein berg, viele könige
Acht Mal wird in den nächsten Tagen gestartet, acht Mal könnte die Schweizer Hymne über Kvitfjell und Hafjell schallen. Die Speed-Hotspots oberhalb von Lillehammer sind kein neutraler Schauplatz, sie sind ein Schweizer Domizil – mit Adressen wie Feuz-Allee, Cuche-Platz und Hintermann-Hang.
Beat feuz und didier cuche haben hier gegründet, was andere nur besuchen
Feuz’ erste Weltcup-Torung 2011 ging als Kampfsieg in die Annalen, ein Jahr später krönte er sich im Super-G zum „König des Olympiabakkens“. 10 Podestplätze zählt der Emmentaler in der Region, die Trefferquote wirkt absurd. Cuche wiederum feierte 2007, 2010 und 2011 Siege, sein erster Podest reicht bis 1998 zurück. Langlebigkeit? Ein Wort, das in Kvitfjell wie ein lokales Dialektwort klingt.
Und dann Niels Hintermann, der Prinz mit der Startnummer 13 im Kopf. 2022 teilte er sich die Spitze mit Cameron Alexander, 2024 kehrte er nach mentalem Tief zurück – dank Hypnose-Coach und einem Riesenschritt über die Flachstrecke. Seine Karriere schreibt hier Druckerschwärze statt Tintenfass, zwei Abfahrtssiege, drei Podeste, kein anderer Ort liefert so konstant Storys.

Marco odermatt schreibt das neue kapitel, bevor das alte buch zugeklappt wird
Die aktuelle Generation liefert Fortsetzung. Odermatt fuhr 2024 beim Super-G auf Rang drei, eine Woche später wurde er in Hafjell Zweiter – und ließ mit Thomas Tumler und Loïc Meillard ein komplett rotkreuziges Podest entstehen. Die Gegenwart ist so dominant, dass selbst das vermaledeite Rennen von 2023 – jener Super-G ohne Schweizer Podest – nur als kurzes Räuspern zählt.
Denn die Bilanz bleibt schlicht: 5 von 7 Speed-Rennen der letzten beiden Jahre gewann die Schweiz, neun Podestplätze innerhalb von zehn Tagen. Die norwegische Schneekanonen richten sich still auf Schweizer Kommando aus.

Lara gut-behrami und corinne suter jagen das weiße outcome-glück
Bei den Frauen schimmerte 2023 Silber auf: Gut-Behrami wurde Dritte, Suter folgte einen Tag später als Vize. Dazwischen klaute ein Wetterumschwung Jasmine Flury die Medaille, Österreich räumte dank Startnummern 29, 31 und 33 ab. Die Lehre: Wer zu spät kommt, bekommt den Schnee – und das Podest.
Doch die Schweiz lernt schnell. 2024 gewann Gut-Behrami selbst, sammelte zwei weitere Top-3-Platzierungen. Federica Brignone mag zweimal triumphiert haben, sie bleibt die Ausnahme, die die Regel bestätigt: Norwegen ist Rotwein für Schweizer Ski-Blut.
Die Uhr tickt. Noch acht Rennen, dann ist Saison. Die Pisten sind vorbereitet, die Statistik aufgestellt, die Konkurrenz gewarnt. Wer in Kvitfjell und Hafjell fährt, fährt gegen Geschichte – und die trägt seit 1998 meist ein Schweizer Pass.
