Norris brennt trotz 36-punkte-rückstand auf russell: „wir bauen das beste auto der saison“
Lando Norris lacht nicht, aber er schlägt auch nicht auf. 36 Punkte Rückstand auf George Russell – nach nur zwei Rennen. Ein Ausfall in Schanghai, ein fünfter Platz in Melbourne. Für einen amtierenden Weltmeister sieht das nach Krisenmodus aus. Doch der McLaren-Pilot spricht mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass seine Ingenieure eine Waffe in der Garage parken.
„Ich habe großes Vertrauen in das Team und glaube, dass wir dieses Jahr das beste Auto haben können“, sagt Norris vor dem Großen Preis von Japan. Kein „vielleicht“, kein „hoffentlich“. Eine Ansage. Die Niederlage in China habe ihn „geärgert, nicht geschockt“. Der Brite war nach einem technischen Defekt im Warm-up nicht einmal zur Startformation gerollt. Teamkollege Oscar Piastri schaltete sich wegen eines anderen Problems auf der Strecke aus. Doppel-Retire, rote Gesichter, britische Boulevardpresse mit Taste auf Caps-Lock.
Die zahlen, die norris nicht frieren lassen
Die Causa: ein Hydraulikleck am Norris-Chassis, ein elektrischer Kurzschluss beim Australier. „Wir haben hart daran gearbeitet, die Hintergründe zu verstehen“, sagt er. In Woking flatterten innerhalb von 48 Stunden 17 Gutachten durch die Server. Die Botschaft: keine Strukturschwäche, nur Pech. Trotzdem liegt McLaren vor Suzuka nur hinter Red Bull und Ferrari – und das mit einem Auto, das laut internen Sims noch 0,18 Sekunden Reserven pro Runde hat. Norris‘ Kommentar: „Das reicht, um im April noch keinen Weltmeister auszurufen.“
Russell führt die Tabelle an, doch seine Mercedes-Ingenieure schielen schon auf die Upgrade-Parts, die in Imola ankommen. McLaren bringt dagegen schon an diesem Wochenende eine neue Flügel-Spec. „Unser Ziel ist es zunächst einmal, auf das Podium zu kommen, und dann wieder Rennen zu gewinnen“, sagt Norris. Die Punkte, so seine Rechnung, „ergeben sich dann von selbst“. Klingt nach Mathe für Champions.

Suzuka als scharnier statt schaukel
Die Strecke in Suzuka ist Norris‘ Lieblingslayout: schnelle Kurven, viel Abtrieb, ein Setup-Fenster, das seine Ingenieure „eng aber ehrlich“ nennen. 2023 fuhr er hier als Dritter über die Ziellinie, 2024 gewann er – und diesmal will er den Anschlag zur WM-Krönung setzen. „Wenn wir in Japan Doppelpunkte holen, sind wir wieder voll drin“, sagt er. Die 36 Punkte klingen nach viel, aber 2025 gibt es 24 Rennen, drei Sprints und 1.344 maximale Zähler. Noch ist kein Blatt vom Baum.
Der Brite beendet das Gespräch mit einem Satz, der wie ein Zitat klingt, das er sich selbst einrahmen wird: „Ich bin nicht hier, um die Saison zu retten – ich bin hier, um sie zu drehen.“ Dann dreht er sich um und stapft Richtung Garage. Keine Show, kein Selfie. Nur ein Weltmeister, der weiß, dass das nächste Kapitel in 53 Runden geschrieben wird. Und dass sein Auto schneller ist als die Tabelle verrät.
