Nissan droht mit sunderland-schließung wegen eu-regelwerk

Das Werk in Sunderland steht auf der Kippe. Nissan hat die britische Regierung intern darüber informiert, dass der Standort im Nordosten Englands geschlossen werden könnte, falls das Vereinigte Königreich nicht in die neuen EU-Produktionsvorschriften aufgenommen wird. Kein Gerücht, kein Missverständnis – der Financial Times zufolge hat der japanische Konzern diese Botschaft klar und direkt nach London übermittelt.

Was der industrial accelerator act für britische hersteller bedeutet

Am 4. März präsentierte die EU-Kommission in Brüssel den sogenannten Industrial Accelerator Act – kurz IAA. Das Regelwerk soll die europäische Fertigungsindustrie stärken, indem öffentliche Subventionen künftig nur noch an Unternehmen fließen, die innerhalb der EU produzieren. Wer draußen bleibt, bekommt nichts. Und Großbritannien ist draußen.

Für Nissan ist das eine existenzielle Frage. In Sunderland laufen die populärsten Modelle des Konzerns vom Band: der Qashqai, der Juke und der Leaf. Seit der Eröffnung 1986 wurden dort über 11 Millionen Fahrzeuge produziert – ein Rekord in der britischen Automobilindustrie. Rund 6.000 Mitarbeiter arbeiten auf den 360.000 Quadratmetern des Werks. Kein anderer Automobilstandort in ganz Großbritannien hat auch nur annähernd diese Bedeutung.

Druckmittel oder ernste warnung?

Druckmittel oder ernste warnung?

Ob Nissan wirklich die Schotten dichtmachen würde oder ob diese Ankündigung in erster Linie Druck auf die Institutionen ausüben soll, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Wahrscheinlich ist es beides. Japanische Konzerne kommunizieren solche Szenarien selten ohne Kalkül.

Was jedoch feststeht: Die britische Automobilindustrie reagiert alarmiert. Mike Hawes, Generaldirektor der Society of Motor Manufacturers and Traders, der mächtigsten Lobbygruppe des Sektors, formulierte es ohne Umschweife: „Der IAA versetzt britische Hersteller in einen systemischen Wettbewerbsnachteil auf dem EU-Markt und könnte zudem das Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich verletzen – also das Brexit-Abkommen selbst.