Niederberger fällt raus – red bull münchen muss um titel ohne seinen besten mann kämpfen

Die Play-offs stehen vor der Tür, der Titel ist in Reichweite – und genau jetzt verliert Red Bull München seinen Mathias Niederberger. Der Nationaltorhüter zieht sich eine Unterkörperverletzung zu, fällt „voraussichtlich mehrere Wochen“ aus, bestätigte der Klub am Dienstag. Die Saison ist für ihn gelaufen.

Die verletzung, die alles ändert

Freitagabend, Heimspiel gegen Wolfsburg, 4:1-Sieg – eigentlich ein Abend wie jeder andere. Doch in einer der letzten Aktionen bleibt Niederberger liegen, humpelt vom Eis. Was danach in der Kabine passierte, beschreibt Assistenztrainer Tom Rowe nur mit einem Satz: „Er hat sofort gewusst, dass es ernst ist.“ Die Untersuchung bestätigte den Verdacht: Adduktorenbereich, Schleudertrauma, mindestens sechs Wochen Pause. Die Finalserie beginnt Ende März. Zeit wird knapp.

Für den 33-Jährigen ist es der zweite längere Ausfall in dieser Spielzeit. Im Oktober hatte er sich bereits eine Rippenfellentzündung zugezogen, fiel fünf Wochen aus, kam gerade noch rechtzeitig für Olympia zurück. Nun das. 18 Liga-Einsätze hat er in dieser Saison gemacht – 27 übernahm Antoine Bibeau, der kanadische Backup, der nun zur Nummer eins mutiert.

Bibeau ist der mann, auf den es ankommt

Bibeau ist der mann, auf den es ankommt

Bibeau kennt die Rolle. In Toronto spielte er einst 45 NHL-Partien, in der AHL wurde er All-Star. Doch die DEL ist ein anderes Kaliber: schneller, rauer, weniger Raum für Fehler. „Er hat die letzten Wochen trainiert wie ein Besessener“, sagt Torwarttrainer Mikael Vuorio. „Seine Save-Rate liegt bei 92,3 % – das ist Top-Niveau.“ Dennoch: Niederberger war die Konstante, der Kommunikator, der Spielgestalter. Ohne ihn verliert München mehr als nur einen Keeper.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Mit Niederberger kassierte München im Schnitt 2,1 Gegentore pro Spiel, ohne ihn 2,7. Bei Powerplays liegt seine Shutout-Quote bei 88 % – Bibeau bei 81 %. Kleine Unterschiede, doch in der Play-off-Serie gegen Berlin oder Mannheim kann eine einzige Parade über Sieg oder Ausscheiden entscheiden.

Die stimmung in der kabine: zwischen schock und siegeswille

Die stimmung in der kabine: zwischen schock und siegeswille

Kapitän Daryl Boyle versammelte die Truppe am Montagmorgen. Kein Training, nur Gespräche. „Wir haben nicht geweint“, sagt er später, „wir haben geplant.“ Trainer Don Nachbaumer schraubt die Taktik um: weniger Risiko in der ersten Zone, mehr Sturmcheck, um Bibeau zu entlasten. Die Stürmer sollen tiefer zurückfallen, die Verteidiger früher pressen. Ein System für den neuen Mann zwischen den Pfosten.

Doch es gibt auch Licht: Die Top-Reihe um Ben Street und Zach Redmond ist in Topform, die letzten drei Spiele gewonnen, die Moralt hoch. Sportdirektor Christian Winkler betont: „Wir haben nicht nur einen Torwart, wir haben ein Team.“ Und genau das wird jetzt gefragt sein.

Der zeitplan wird zum gegner

Am Freitag folgt das letzte Hauptrundenspiel in Iserlohn, dann geht es Schlag auf Schlag. Viertelfinale, Halbfinale, Finale – maximal 21 Partien in 42 Tagen. Wer da nicht bei 100 % ist, wird aussortiert. Niederberger wird auf der Bank sitzen, vielleicht Videoanalysen liefern, aber er wird nicht stehen. „Ich werde die Jungs anfeuern, bis mir die Stimme weg ist“, sagt er, „das ist mein Job jetzt.“

Für München bleibt nur eine Option: weiterspielen, weitersiegen, weitträumen. Die Meisterschaft ist noch nicht verloren, aber sie ist nun ein Stück schwerer geworden. Die Liga hat ihren Favoriten, doch der Favorit hat seinen Torhüter verloren. Die Play-offs beginnen – und sie beginnen ohne Niederberger. Das ist die harte Wahrheit im Eishockey: Ein Kreuzband kann ein ganzes Jahr zerstören, eine Adduktorensehne einen ganzen Traum. München wird kämpfen, aber die Nummer eins fehlt. Und das ist eine Nummer zu viel.