Nicola berti läutet den derby-krieg ein: „in mailand weiß jeder, wer der bessere cousin ist“
Nicola Berti hat den Samstag im Kalender rot angestrichen. „Wenn wir dieses Derby gewinnen, ist die Meisterschaft gelaufen. Bei plus dreizehn holen sie uns nicht mal mit dem Motorroller ein“, sagt der 58-Jährige, dessen Stimme noch immer nach Krawall klingt. Der Ex-Profi der Inter spricht am Telefon so schnell, als würde er noch einmal das Mittelfeld stürmen.
„Zehn punkte vorsprung lügen nicht“
Die Tabelle spricht klar: Inter führt die Serie A mit 65 Zählern an, der AC Mailand hinkt mit 55 Punkten hinterher. Für Berti ist das kein statistisches Glücksspiel, sondern ein Beweis. „Diese Lücke ist kein Zufall. In der Stadt wissen alle, dass ein Cousin eindeutig besser ist als der andere“, sagt er und lacht schon wieder laut. Rafael Leaos Provokation nach dem 1:0 in Cremona – „Ihr werdet euch den Kopf heiß reden“ – findet er klasse. „Endlich wieder Sprüche, endlich wieder Feuer. Derby ist Krieg, und Krieg ist schön.“
Seine eigenen Schlachten hat er nie verglichen. Im Rückblick klingt jedes Foul wie ein Kurzfilm. „Tunnel gegen Costacurta, Baresi schlägt mir den Ball an den Kopf – Gelb, aber ich wusste: Jetzt mache ich das Tor. Ich war wie Michael Jordan, steckte die Zunge raus und dann: Zack.“ 1993 stand er nach dem 1:1 noch lange auf dem Rasen, „weil die Milanisti mich hassen wollten und ich sie liebte“. Bis heute genießt er den Hass. „Wenn sie mich nicht buhen würde, wäre ich enttäuscht.“

„Der schlaue schläft vor dem derby“
Während andere vor dem Showdown die Nacht durchdrehen, hat Berti immer tief und fest geschlafen. „Wer schläft, ist am nächsten Tag schneller. Ich bin locker reingegangen und habe ihnen das Leben schwer gemacht.“ Diese Seelenruhe wünscht er Barella, Bastoni und Dimarco. „Das sind keine Instagram-Stars, das sind Römer in schwarzblau. Barella ist mein Favorit, weil er spielt, als würde ihm der Ball die Hand geben.“ Und Francesco Pio Esposito? „Ein Monster. Der Junge könnte bei Juve oder Milan starten, bleibt aber bei uns und feiert seine Muskeln. Das ist Inter-DNA.“
Über Cristian Chivu schwärmt er ebenso. „Er spricht klug, er denkt klug, er lässt uns spielen wie 1989 – nur schneller.“ Die bittere Champions-League-Pleite gegen Bodø/Glimt schiebt er auf „norwegische Tiefstapler“ und auf den Zyklus. „In Europa sind manche einfach besser gerüstet, in Italien aber machen wir weiterhin Beton.“

118 Jahre inter – das perfekte geschenk
Am 9. März um Mitternacht wird der Klub 118 Jahre alt. „Kann es ein schöneres Geschenk geben, als an diesem Tag die Roten zu schlagen?“, fragt Berti und braucht keine Antwort. Er spricht schon vom „Scudetto mit zweihundert Punkten Vorsprung“ und der Coppa Italia. „Dann reden wir wieder von Europa – mit vollem Bauch natürlich.“
Ende März will er wieder im San Siro stehen, die Arme über dem Kopf, das Meer aus schwarzblauen Fahnen unter sich. „Wenn die Kurve ‚Berti, Berti‘ brüllt, bin ich wieder 25 und der Platz ist mein Wohnzimmer.“ Er lacht, so laut, dass das Telefon knarrt. „Derby ist das Schönste, was es gibt – außer dem nächsten.“
