Neugebauer zündet zweit-funke in götzis – wm-titel jetzt nur noch formsache?
Die 8730 Punkte standen auf der Anzeigetafel und Leo Neugebauer wusste sofort: das reicht für Platz zwei. Der Weltmeister wirkte nicht enttäuscht – eher grinsend, als hätte er ein Geheimnis gelüftet. Götzis ist sein persönliches Labor, und diese 8730 Zähler sind nicht mehr als ein Testlauf für den bevorstehenden Angriff auf die 9000er-Marke.
Der sonntag, der alles durcheinanderbrachte
Am Samstag hatte Neugebauer noch demonstriert, warum Experten ihn als neuen Janssen der Modernefeiern: 10,62 im 100-Meter-Sprint, 7,79 im Weitsprung, 16,00 im Kugelstoßen – Zahlen, die andere nur in Einzeldisziplinen erreichen. Doch dann kam der zweite Tag. Der Diskus segelte nur 50,77 Meter weit, beim Speer landete die Lanze magere 58,46 Meter vorne. Die Konkurrenz jubelte innerlich, Simon Ehammer nutzte die Offerte und knallte 8778 Punkte aufs Tableau.
Dennoch: Es war Neugebauers fünftbestes Ergebnis überhaupt. Die 8961 Punkte aus der Vorbereitung bleiben die Messlatte, doch wer ihn kennt, weiß: In Birmingham wird er angreifen. Die Europameisterschaft im August ist sein eigentliches Ziel, Götzis war nur die Generalprobe.

Kaul und gräber folgen mit abstand
Niklas Kaul, einst der ewige Herausforderer, kam auf 8528 Zähler – Platz drei, aber Lichtjahre hinter dem Duo an der Spitze. Der Mainzer wirkte wie ein Veteran, der das Tempo nicht mehr mitgeht. Dazwischen rangiert Amadeus Gräber, 8345 Punkte, neunter Platz, aber mit 21 Jahren der Mann, der in zwei Jahren die Ära Neugebauer beerben könnte.

Weißenbergs comeback schlägt wellen
Sie hatte fast zwei Jahre lang nur Krücken und Rehazentren gesehen. Sophie Weißenberg kehrte aus der Verletzungshölle zurück und stellte mit 6449 Punkten ihre Bestmarke ultimativ ein. Rang vier, nur 109 Punkte hinter der Siegerin – und das nach Achillessehnenriss. Die Leverkusenerin lief mit Tränen im Gesicht über die Ziellinie, die Menge in Götzis tobte. Sandrina Sprengel, WM-Fünfte, kam auf 6328 Punkte und wirkte neben Weißenberg wie ein Schatten ihrer selbst.
Die Bilanz: Deutsche Zehnkämpfer dominieren Europas Podest, eine Leverkusenerin schreibt das Comeback des Jahres. Die Saison ist noch jung, aber eine Botschaft ist klar: Paris 2024 war nur der Anfang.
