Neuer-comeback: schult warnt vor übermut bei wm-einsatz
Die Diskussion um Manuel Neuer und seine Rolle bei der anstehenden Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada spitzt sich zu. Während Bundestrainer Julian Nagelsmann den Routinier überraschend wieder in den Kader berufen hat, äußert die ehemalige Nationaltorhüterin Almuth Schult deutliche Zweifel an seiner konstanten Leistungsfähigkeit.

Die schatten der vergangenheit: neuer und die wm-turniere
Schult, die bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro Gold gewann, lässt keine Zweifel daran, dass Neuer in den vergangenen großen Turnieren nicht immer den entscheidenden Unterschied ausmachen konnte. „In den letzten Jahren, das sollten wir nicht vergessen, war Neuer nicht der entscheidende Faktor, um die DFB-Elf vor dem Aus zu bewahren“, erklärte sie im „RND“-Interview. Diese Feststellung ist ein Nadelstich in die Debatte, ob der 40-Jährige überhaupt die nötige Stabilität in den Kasten bringen kann, um eine erfolgreiche WM-Kampagne zu ermöglichen.
Nagelsmann verteidigte derweil seine Entscheidung, Oliver Baumann aus dem Kader zu streichen und Neuer den Vorzug zu geben. Er bezeichnete Baumann als „großen Sportsmann“, betonte aber gleichzeitig, dass er von Neuers Erfahrung und Qualität überzeugt sei. „Wenn er seine Topleistung abruft, ist er immer noch der beste Torhüter der Welt“, so Schult, fügte aber prompt hinzu: „Nur diese Saison hat gezeigt, dass er nicht konstant auf seinem allerhöchsten Niveau spielt.“
Die Wadenverletzung, die Neuer in den jüngsten Länderspielen gegen Finnland und die USA zwangsläufig außer Gefecht setzte, wirft ebenfalls Fragen auf. Ob er bis zum ersten WM-Spiel am 14. Juni gegen Curacao vollständig fit sein wird und ob er dann auch seine volle Sprungkraft entfalten kann, bleibt abzuwarten. Schult mahnt zur Vorsicht: „Von den ersten Spielen würde ich nichts abhängig machen, selbst wenn ihm der erste Fehler passiert. Man muss sich darauf einstellen, dass es mal passieren kann, aber es geht darum, ob Manuel Neuer die Deutschen mal in die nächste Runde rettet.“
Rudi Völler, DFB-Sportdirektor, steht der Entscheidung von Nagelsmann uneingeschränkt zur Seite. „Um Manuel müssen wir uns alle keine Sorgen machen“, so Völler gegenüber der „Bild“. Er betonte Neuers Erfahrung und seine Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Frage ist, ob diese Erfahrung ausreicht, um die vermeintlichen Leistungsdefizite auszugleichen und die deutsche Abwehr bei der WM zu stabilisieren. Vieles wird davon abhängen, ob Neuer seine Formkurve tatsächlich wieder ansteigt – oder ob der Schatten der Vergangenheit ihn auch in diesem Turnier einholt.
