Neuer lässt madrid verzweifeln – dann kitzelt ihn mbappé und er lacht trotzdem

40 Jahre alt, neun Wahnsinns-Paraden, ein Gegentor – und trotzdem lacht Manuel Neuer. Im Bernabéu fegte der Bayern-Kapitän mit bloßen Händen gegen Real Madrids Superstars, ließ Kylian Mbappé und Vinicius Junior zunächst alt aussehen und nahm dennoch den Pokal für den besten Mann des Abends mit einem Schmunzeln entgegen. „War der erste schon drin? Ist ja ‚ne Frechheit“, sagte er bei Prime Video und schob nach: „Ist ein Torwartfehler dann.“

Die Szene, die ihn ärgerte, dauerte 0,7 Sekunden. Mbappé nahm einen Querpass, zog aus 14 Metern ab, Neuer streckte sich, kratzte den Ball noch – doch das Leder rutschte über die Linie. 2:1 für Bayern, 78. Minute, Madrid war wieder drin. „Schade, dass es kein 2:0 geworden ist“, sagte Neuer, aber seine Stimme klang, als hätte er gerade ein Tennismatch gewonnen, nicht eine Kriegsvorstellung überstanden.

Neuers aura macht selbst tah schwach

Antonio Rüdiger, Madrids Verteidiger und Nationalspieler, nannte ihn „Bayerns besten Spieler“. Jonathan Tah schwärmte von einer „Aura“, die man nicht erklären könne. Mats Hummels, Experte bei Prime, schob das Sternchen hinter die Note: „Weltklasse-Leistung. Er ist so schlau im Tor und weiß, was er wann machen muss, das ist das Beeindruckendste an ihm.“

Die Zahlen sprechen ohne Pathos: Neun klarer Torchancen entschärfte Neuer, davon drei gegen Mbappé, zwei gegen Vinicius, je eine gegen Bellingham und Rodrygo. Er verließ seine Linie 18 Mal, gewann 15 Zweikämpfe, sein Pass-Quotient lag bei 87 Prozent – gegen den Druck von 75.000 Zuschauern, die jeden seiner Kontakte auspfeiften.

Die Frage, die ihm alle stellen, beantwortet er mit einem Schulterzucken. No einmal Saison? „Es macht Spaß mit den Spielern in der Mannschaft, mit dem Trainerteam, es ist alles möglich, deshalb bin ich trotz meiner 40 immer noch dabei.“ Die Vertragsgespräche laufen, heißt es hinter den Kulissen, aber Neuer redet nicht über Zahlen, sondern über das Gefühl: „Wenn die Beine noch reagieren und der Kopf noch eine Sekunde vor dem Ball ist, warum aufhören?“

Mbappé kennt die antwort – und sie lautet: neuer

Mbappé kennt die antwort – und sie lautet: neuer

Am Mittwoch kommt Madrid nach München, 21 Uhr, Allianz Arena. Dort wird Mbappé wieder auflaufen, schneller als Gedanken, mit dem Bewegungsmuster eines Computerspielcharakters. Neuer kennt ihn inzwischen so gut, dass er ihm selbst nach dem Schlusspfiff noch eine kleine Predigt hielt: „Ich habe ihm gesagt, er soll mir nächstes Mal den Ball einfach schenken.“ Mbappé lachte, aber es klang wie ein Versprechen, dass er es besser machen will.

Bayern führt 2:1, aber die Statistik warnt: In den letzten fünf Champions-League-K.o.-Spielen, in denen Madrid im Hinspiel verlor, schaffte der Klub dreimal den Ausgleich. Neuer weiß das, er war 2017 dabei, als Bayern im Viertelfinale nach einem 1:2 im Bernabéu mit 3:4 ausschied. „Es wird eine harte und schwere Aufgabe in München“, sagt er, aber er sagt es mit dem Ton eines Mannes, der sich gerade erst warmgelaufen hat.

Seine Mitspieler reden inzwischen in Bildern, die sonst nur Fans kennen. „Wenn Manu im Tor steht, ist das Tor kleiner“, sagt Jamal Musiala. „Er zieht die Latten ein Stück zusammen, das ist kein Witz, das ist Gefühl.“ Und Gefühl ist inzwischen das einzige, was zählt, wenn die Beine weniger schnell werden und die Reaktionszeit um Millisekunden sinkt.

Am Mittwoch wird Neuer wieder anstoßen, wieder grinsen, wieder retten. Und wenn er dann den Ball in die Luft wirft, wird er wissen, dass er nicht nur für Bayern steht, sondern für eine Generation von Torhütern, die nie aufgeben, weil sie gelernt haben, dass ein Spiel erst dann vorbei ist, wenn der Schiri pfeift – oder wenn Manuel Neuer es sagt.