Neuer glänzt gegen madrid – und verweigert hartnäckig das dfb-gespräch
40 Jahre, 15 Paraden, eine Gala – und trotzdem keine Spur von Einsicht. Manuel Neuer lachte das Thema WM weg, während ganz Deutschland jubelte.
Die nacht, in der neuer die uhr zurückdrehte
Dienstag, 93. Minute, Bernabéu tobt. Bellingham zieht ab, Neuer streckt sich, Ball draußen. Sekunden später pfeift Ovidiu Hategan ab, Bayern gewinnt 2:1. In der Mixed Zone wartet die erste Frage nach der Nationalmannschaft, bevor der Torhüter überhaupt den Handschuh ausgezogen hat. „Sollen wir das Thema jetzt wieder aufmachen?“, kontert der Kapitän, grinst, dreht sich um – Ende.
Die Note 1 von SPORT1 war keine Gnade, sondern pure Statistik: sieben Torschüsse aus kurzer Distanz, alle gehalten. Kein Kollege in dieser Champions-League-Saison hatte mehr. Dass genau dieser Mann im Oktober noch ein müdes „Ich habe meine Sachen gesagt“ murmelte, treibt selbst ehemalige Teamkameraden auf die Palme. Lothar Matthäus forderte live on Air: „Wenn er so spielt, MUSS er zur WM.“ Neuers Reaktion im ZDF: „Du bist zu spät. Alles gut.“ Fertig, Aus, Paragraph.

Nagelsmann schweigt – die liga jubelt
Julian Nagelsmann hatte das Kapitel Neuer eigentlich abgehakt. Marc-André ter Stegen ist Amtsträger, das interne Papier trägt dessen Namen. Doch nach Madrid musste der Bundestrainer erneut erklären, warum er einen Torhüter, der Real Madrids 400-Millionen-Offensive alt aussehen lässt, zu Hause lassen will. Seine Antwort: „Wir haben unsere Planung kommuniziert.“ Klingt nach Betrieb, nicht nach Überzeugung.
In der Bayern-Kabine ist man sich indes einig. Joshua Kimmich sagt: „Wenn Manu so weitermacht, wird die Diskussion nicht leiser.“ Leroy Sané ergänzt lachend: „Dann holt er uns den Pokar – äh, Pokal – und fährt trotzdem nicht nach Amerika. Irre, oder?“

Die stunde der wahrheit kommt gegen arsenal
Am 22. April steht das Rückspiel an. Leistet Neuer eine Wiederholung, wird selbst der DFB-Präsidiumsvorsitzende Bernd Neuendorf die Nummer 1 nicht mehr ignorieren können. Die FIFA-Deadline für die Nominierung fällt Mitte Oktober – zeit genug für weitere Paraden und neue Schlagzeilen. Neuer selbst hat nur einen Termin im Kopf: „Samstag, Union Berlin, drei Punkte.“
Die Gala von Madrid ist damit kein Karriereende, sondern ein Statement. Ob es sein letztes Länderspiel-Denkmal wird, entscheidet nicht der Bundestrainer, sondern der 40-Jährige selbst – und er scheint sich längst gegriffen zu haben. Die WM ohne Neuer? Möglich. Aber mit jedem Ball, den er gegen die Königlichen wegfaustet, wird die Debatte lauter. Die Uhr läuft. Für Deutschland, für Nagelsmann – und für einen Torhüter, der das Zeitliche nicht zu kennen scheint.
