Neuer fußball-präsident muss um staatskasse ringen – vorbild portugal macht’s vor!
Rom – Der neue Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC) steht vor einer Mammutaufgabe: Er muss die Staatskasse öffnen, um den italienischen fußball wiederzubeleben. Eine einfache Forderung, aber in der aktuellen Wirtschaftslage alles andere als ein Kinderspiel. Während viele zu einem sofortigen Umbruch rufen, liegt die Lösung möglicherweise in der Nachahmung erfolgreicher Modelle aus anderen europäischen Ländern.
Wettsteuer als schlüssel zur rettung?
Die Situation ist klar: Der italienische fußball benötigt dringend frische Mittel. Ein vielversprechender Ansatzpunkt liegt in den immensen Einnahmen aus Sportwetten. Im Jahr 2024 wurden in Italien satte 22,8 Milliarden Euro umgesetzt, davon entfielen 16,1 Milliarden Euro allein auf Fußballwetten – ein Anstieg um das Dreifache seit 2012. Nun stellt sich die Frage: Warum fließt ein fairer Anteil dieser Summe nicht in die Entwicklung des Sports, der die Grundlage für diese Umsätze bildet?
Die FIGC fordert daher seit längerem – und der neue Präsident wird diese Forderung fortsetzen – die Anerkennung eines Prozentsatzes der Wett-Einnahmen, konkret 1 % der über 16 Milliarden Euro, um sie in Jugendförderung und Infrastruktur zu investieren. Das entspricht einer Summe von rund 160 Millionen Euro – eine Investition, die das Potenzial hat, den italienischen fußball nachhaltig zu stärken. Doch hier zeigen sich die Unterschiede zu anderen europäischen Spitzenländern.

Vorbilder aus frankreich und portugal
Frankreich, als Vorreiter in der Besteuerung von Sportwetten, erfasst bereits 1,8 % der Brutto-Wetteinnahmen und leitet diese an die Agence Nationale du Sport (ANS) weiter. Diese Mittel fließen in den Breitensport, den Bau von Sportanlagen und die medizinische Versorgung von Athleten. Ein Modell, das auch in Italien durchaus Anklang finden könnte.
Besonders interessant ist jedoch das portugiesische Modell: Hier werden 3,5 % der Einnahmen aus Wetten auf Fußballspiele an die portugiesische Fußballföderation und die Profifußballliga ausgeschüttet. Das entspricht jährlich rund 40 Millionen Euro – einem beträchtlichen Teil des Föderationshaushalts. Die portugiesische Erfahrung zeigt: Eine gezielte Umverteilung der Wett-Einnahmen kann einen echten Mehrwert für den fußball schaffen.
Die türkische Lösung, bei der die staatliche Glücksspielorganisation Spor Toto eine bedeutende Summe an die Fußballvereine verteilt, bietet ebenfalls interessante Ansätze. Die Vereine erhalten für die Nutzung ihres Namens und Logos in den Wettpaletten eine Vergütung, die je nach Popularität und Präsenz in den Wettangeboten variiert. Ein System, das sowohl die Vereine unterstützt als auch einen Anreiz für eine breitere Präsenz im Wettumfeld schafft.
Es geht hierbei nicht um die Gehaltszahlungen von Topstars, sondern um die notwendige Basis für eine tiefgreifende Reform, die der italienische fußball dringend benötigt. Die Entscheidung liegt nun beim Staat – und die Augen sind auf den neuen FIGC-Präsidenten gerichtet, der den Druck verstärken muss, um diese dringend benötigten Mittel freizusetzen.

Ein wettlauf gegen die zeit
Die Zeit drängt. Die bevorstehende Europameisterschaft 2032 in Italien und Deutschland stellt die Weichen für die Zukunft des italienischen Fußballs. Nur durch eine mutige und nachhaltige Finanzierungspolitik kann Italien seine Position als europäische Fußball-Nation behaupten und den internationalen Wettbewerb bestehen. Die Chance ist da – es gilt sie zu nutzen.
