Neuer: aura fehlt! wm-debakel droht?
Darmstadt. Manuel Neuer, der Rückkehrer zum DFB-Tor, lieferte gegen Ecuador eine Leistung ab, die Fragen aufwirft. Der 40-Jährige, der mit so viel Erwartung in die WM zurückkehrte, wirkt bisher alles andere als souverän – und das, obwohl er sich vehement von jeglicher Schuld freispricht.

Die erhoffte rückkehr der "neuer-aura" bleibt aus
Vor dem Turnier wurde gefeiert: Der Kaiser kehrt zurück! Die Gegner sollten vor Ehrfurcht erstarren, das Team durch seine Präsenz gestärkt werden. Julian Nagelsmann riskierte viel, um Neuer zurückzuholen, auch weil er auf diesen Effekt setzte. Doch nach der Gruppenphase ist die bittere Realität: Die Aura, die Neuer einst auszeichnete, scheint verflogen. Die Gegentore häufen sich, die Abstimmung mit der Abwehr stimmt nicht – und der Keeper wirkt verunsichert. Drei gehaltene Bälle, vier Gegentore - die Bilanz ist ernüchternd.
"Es ist wieder extrem ärgerlich für Manu, dass er so die Winner-Aktion leider noch nicht hatte“, kommentierte Nagelsmann bei MagentaTV – und versuchte, die unglücklichen Abschlüsse zu beschönigen. Doch die Diskussion ist entfacht. War das Gegentor gegen Ecuador haltbar oder nicht? Stefan Kumberger, Chefreporter bei Sport1, meint: „Ganz unschuldig war er trotzdem nicht. Er war beteiligt.“
Das Verhalten nach dem Spiel wirft weitere Fragen auf. Neuer wies kategorisch jede Schuld von sich, lieferte eine detaillierte Rechtfertigung ab. „Je länger eine Rechtfertigung dauert, desto mehr Ansätze, darüber zu diskutieren, gibt es“, so Kumberger treffend. Manfred Sedlbauer ergänzt: „Auf mich wirkt das einfach nur dünnhäutig und lässt Selbstreflexion vermissen.“
Doch ist diese verbissene Art vielleicht gerade das, was Neuer an die Spitze gebracht hat? Diese Frage beschäftigt die Experten. Denn Fakt ist: Mit Aura allein kann man keine Bälle halten. Die DFB-Elf hat seit dem 1:0-Finalsieg 2014 gegen Argentinien kein WM-Spiel ohne Gegentor mehr bestritten. Das allein sollte Anlass zur Besorgnis sein.
Sedlbauer sieht das Problem noch weiter: „Es gab auch zwei Wackler in der Partie, in denen die Abstimmung nicht gestimmt hat, in denen er nicht so viel Sicherheit ausgestrahlt hat.“ Die Frage drängt sich auf: Wo ist die vielbeschworene Aura geblieben?
Die Torhüterdiskussion ist zwar aktuell noch nicht angebracht – zumindest innerhalb des DFB-Teams. Aber die Zweifel nagen. Julian Nagelsmanns riskante Rückholaktion scheint bisher nicht die erhoffte Wirkung zu zeigen. Die WM-Ambitionen der Deutschen hängen am seidenen Faden, und die Leistung des Torwarts spielt dabei eine entscheidende Rolle.
