Neue clio 2026: renault schickt den kleinen hybrid mit 160 ps ins rennen
27,8 Kilometer pro Liter in der Stadt, 160 PS unter der Haube und ein Preisschild, das schon mal für Zweifel sorgt: Die sechste Generation des Renault Clio will beweisen, dass Sparsamkeit und Fahrspaß ke Widerspruch sind. Die erste Testfahrt verrät, wann sich der Hybrid lohnt – und wo er an seine Grenzen stößt.
Design mit statur: 4,12 meter langer stadtflitzer
Die Losange hat dem Kleinen ein paar Zentimeter gegönnt: 4,12 Meter Länge bedeuten sieben Zentimeter Plus, die sich vor allem in den Schultern bemerkbar machen. Dank fast coupéhaft abfallender Dachlinie wirkt der Clio trotzdem nicht aufgepumpt, sondern wie ein Sportler im Training. Neue Leuchtengrafik vorn und hinten setzen Tagsüber ein Ausrufezeichen – nachts ein Leuchtband, das das Logo zitiert. Wer Blau oder Rot wählt, bekommt den größten Auftritt, doch auch die fünf anderen Lackierungen liefern Kontrast zum sonst so grauen Stadtverkehr.
Die Antwort auf die Frage „Wie viel kostet der Spaß?“ fällt unterschiedlich aus: 18 900 Euro kostet der Einstieg mit dem 1,2-Liter-Benziner, 22 850 Euro verlangt Renault für die E-Tech-Hybridversion. Voll ausgestattet als Esprit Alpine sind 27 150 Euro fällig – eine Ansage, die in der B-Segment-Welt selten ist.

Im innern: google statt gallia
Wer die Tür zuzieht, landet nicht in Frankreich, sondern direkt im Silicon Valley. Der 10,1-Zoll-Bildschirm liegt horizontal eingebettet, darin läuft OpenR Link mit Google Maps, Assistant und Play Store. Renault kündigt an, künftig auf Gemini umzustellen – Googles KI-Assistent soll dann auch Fahrzeugdaten verstehen und Lüftung, Navigation und Spotify in einem Satz bedienen. Bis dahin nervt vor allem eine Induktionsladeschale, deren Haltekrallen zu kurz greifen: Das Handy rutscht, die Ladung bricht ab – ein Detail, das in Serie noch gelöst werden muss.
Materialien und Verarbeitung lassen die Klassengrenzen verschwimmen. Weiche Oberflächen treffen auf rote Kontrastnähte, Alcantara auf Aluminium. Die Sitze der Alpine-Line saugen den Rücken fest, ohne aufzureißen – ein Handschlag an jene, die in Kurven nicht nur die Richtung blinken.
Antrieb: 1,8 liter saugen, zwei e-motoren pushen
Der Verbrenner liefert 109 PS, die E-Maschinen schieben 51 PS nach – zusammen 160 PS, die über ein Multimode-Getriebe mit vier festen Stufen fürs Benzinaggregat und zwei virtuellen Gängen für den Elektroanteil auf die Vorderachse treten. Klingt kompliziert, fährt sich im Alltag simpel: Stadtblocks werden meist elektrisch überbrückt, der Benziner schaltet kaum hörbar zu. Erst auf Landstraßen und bei Vollgas fällt auf, wie das System zwischen den Modi jongliert – mal zögerlich, mal entschlossen. Wer Sport wählt, bekommt volle Kraft, dafür aber auch das leise Rätseln des Getriebes als Begleiter.
Die Leistung stemmt das 1 241 Kilogramm schwere Fahrwerk mit spielerischer Leichtigkeit: 0–100 km/h in 8,3 Sekunden, Spitze 180 km/h. Doch die eigentliche Sternstunde feiert der Clio im 50-Zone-Takt: 27,8 Kilometer pro Liter schafft er im Stadtzyklus, selbst mit Autobahnanteil verbraucht unser Testwagen 20,8 Liter Super auf 100 Kilometer – ein Wert, den man sonst von Drei-Zylindern mit 75 PS kennt.

Fazit: kleinwagen mit großer rechnung
Renault liefert mit der sechsten Clio-Generation einen Stadtrenner ab, der spart, wo es zählt, und tritt, wo es Spaß macht. Die Hybridtechnik funktioniert im Alltag, die Preise kalkulieren sich erst auf dem Papier. Für 27 150 Euro bekommt man ein Auto, das in der Stadt fast dreißig Kilometer pro Liter schluckt und dabei schneller ist als jede vergleichbare Konkurrenz. Wer nur pendelt, kann mit dem 18 900-Euro-Benziner leben – doch wer die Zukunft vorfahren will, zahlt die Differenz und bekommt dafür ein kleines Hybridwunder, das selbst Sportflitzer alt aussehen lässt. Die Losange zieht nach – und setzt der Konkurrenz die Rechnung aus.
