Nebel, nullnummer, nebenrang: duisburg verpasst den anschluss an die spitze

Ein Punkt in Ingolstadt, zwei Platzverweise im Kopf von Dietmar Hirsch. Der MSV Duisburg verlässt den Audi-Sportpark mit 0:0, verlässt aber obendrein die Spur der Aufstiegsjäger. Denn während die Zebras in der dichten Suppe nach dem Seitenwechsel die Orientierung verloren, zogen 1860 München und Energie Cottbus auf vier Punkte davon. Die Szene des Abends: Florian Krüger sackt in der 68. Minute im Sechzener zusammen, Schiedsrichter Felix Weller lässt laufen – und Hirsch platzt der Kragen.

Die zwei szenen, die hirsch nicht loslassen

Er spricht von „klaren Strafstößen“, meint zwei Male. Sekunden vor dem Pausenpfiff stemmt Ingolstadts Gustav Christensen Joshua Bitter von hinten um – außerhalb des Sechzehners, aber mit dem Schwung eines Rugby-Tackles. Dann jener Schubs gegen Krüger, der den Stürzer erst auf die Knie und schließlich auf den Rasen befördert. Weller steht zehn Meter entfernt, sieht „zu wenig“. Hirsch sieht rot. „Der Schiedsrichter war dementsprechend auch nicht gut“, sagt er ins Mikro von MagentaSport und kassiert die nächste Gelbe für die Wortwahl. Die Kamera fängt seinen Blick ein: ein Mix aus Erschöpfung und blankem Zorn.

Doch der MSV hatte nicht nur Pech, er hatte auch Glück. Nach der Pause scheitert Fabian Grüger per Kopf aus fünf Metern, später lenkt Keeper Leo Weinkauf einen Schlenzer an den Pfosten. Die Fünferkette, die Hirsch zur Stabilität umbaute, wirkt in diesen Momenten wie ein Kartenhaus im Wind. Nur dank Weinkaufs Fußsohle und des Pfostens steht am Ende die Null. Drei Big Chances für Ingolstadt, null Tore – das ist Statistik, kein Spielstand.

Nebel, der die tabelle trübt

Nebel, der die tabelle trübt

Patrick Sussek steht nach Abpfiff mit verschmiertem Trikot da, als hätte er im Nebenkriegsschauplatz gespielt. „Die langen Bälle konnte man nicht mehr sehen“, sagt der Ex-Ingolstädter und deutet auf die Tribüne, wo die Lichter kaum die eigene Hand erkennen lassen. Der Nebel wird zum Sinnbild: Duisburg tritt dampfend auf der Stelle, während die Konkurrenz davonzieht. Osnabrück gewinnt in Verl, Cottbus in Dortmund – beide Teams, die die Zebras vor drei Spieltagen noch auf Augenhöhe sahen.

Die Tabelle lügt nicht: Platz sieben, vier Punkte Rückstand auf Rang drei, zwölf Tore in elf Partien. Die Auswärtsbilanz seit dem 1:6 in Wiesbaden: ein Punkt aus drei Spielen, kein Treffer. Hirsch spricht von „Stolz“, weil seine Mannschaft „extrem gut verteidigt“ habe. Aber Stolz zahlt keine Punkte, und Kompadtheit schießt keine Tore. Am Sonntag kommt mit dem 1. FC Saarbrücken das nächste Kellerkind – und diesmal reicht ein Remis nicht mehr.

Die Zebras müssen gewinnen, sonst droht der Blick nach unten. Denn Rostock und Essen rücken schon auf zwei Punkte heran, und die Wedau allein wird sie nicht retten. Elf Heimspiele stehen noch aus, aber wer nur daheim punkten kann, der spielt am Ende mit dem Feuer. Die Kampagne „Aufstieg“ verflüchtigt sich im Nebel von Ingolstadt – und Hirsch weiß: Die nächste Entscheidung fällt am Sonntag, 16.30 Uhr, live im kicker. Kein Nebel, keine Ausreden, nur drei Punkte oder Platzwunde.