Nawrocki köpft hannover zum derbysieg – und wird zur legende

Maik Nawrocki stand allein, fünf Meter vor dem Tor, und wusste: Das ist mein Moment. Der Kopfball war nicht spektakulär, aber er traf mitten ins Herz von Eintracht Braunschweig. 1:0, Endstand, Derbygewinn, Relegationsplatz – alles in einer Sekunde.

Die Niedersachsenstadt bebte. 50.000 in der Heinz-von-Heiden-Arena, die schwarz-weiße Wand brüllte sich heiser. Der 25-jährige Innenverteidiger, erst seit Sommer von Celtic Glasgow ausgeliehen, wurde zur Ikone hochgeschossen – mit gerade mal zwei Treffern in sechs Tagen. „Derbyheld? Ja, das hört sich schön an“, sagte Nawrocki und grinste wie ein Schuljunge, der das Spiel seines Lebens gemacht hat.

Der perfekte lauf – und die lücke, die keiner sah

Die Szene war simpel, aber tödlich. Stefan Thordarson flankte von rechts, Nawrocki startete aus zentraler Position, kein Braunschweiger ging mit. „Ich habe mich auch gewundert, dass ich so frei war“, gab der Deutsch-Pole nach dem Schlusspfiff zu. Die Gäste hatten die Räume verteidigt wie ein Schweizer Käse – voller Löcher. Ein Kopfball, keine Chance für Keeper Ron-Robert Zieler. Die 96-Fans sangen Maik-Naw-rocki, der Name riss in zwei Silben.

Das Tor bedeutet mehr als drei Punkte. Hannover rückt auf Platz drei vor, die Relegationsplätze sind zum Greifen nah. Für Nawrocki ist es die Bestätigung nach einer Saison volgen Pannen. 13 Einsätze, Muskelträume, Prellungen – und dann dies: der Befreiungsschlag. Trainer Christian Titz sprach es offen aus: „Hier und da hat Maik noch Probleme, aber wir bekommen sie in den Griff.“

Abwehrchef aus der leihgabe – 96 zieht die kaufoption?

Abwehrchef aus der leihgabe – 96 zieht die kaufoption?

Die Leihe aus Glasgow läuft im Sommer aus, der Kaufpreis liegt bei etwa zwei Millionen Euro. Sportchef Marcus Mann dürfte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn er die Leistungskurve sieht: zwei Kopftore in einer Woche, Führungsanspruch in der Abwehr, Präsenz beim Standards. Die Ellbogen-OP von Boris Tomiak zwang Titz zur Umrissung – und Nawrocki lieferte. „Wenn man einmal trifft, öffnet das die Dose“, sagte er. Die Dose ist offen, der Marktwert steigt.

Nach der Länderspielpause warten mit Elversberg und Darmstadt zwei weitere Endspiele. Nawrocki schwärmt noch vom Support: „Die Unterstützung war außergewöhnlich.“ Die Fans wiederum wissen: Wenn der neue Abwehrchef so weitermacht, wird aus der Leihe schnell ein Langzeitvertrag. Und vielleicht wird aus dem Derbyhelden ein Aufstiegsheld. Die Saison ist noch lang, aber die Richtung ist klar: nach oben.