Navarro wirft den amateuren vor: „die kids lehren uns, was zaragoza bedeutet“

„Wer schutzlos ist, darf ruhig laut werden.“ Mit diesem Satz eröffnete David Navarro seine Pressekonferenz und meinte damit die U-17 und U-15 des Real Zaragoza, die in dieser Woche zwei Turniere gewannen – während die Profis weiter im Abstiegsstrudel waten. Der Trainer zog Parallelen, die weh tun.

Ein cadete ruft herab: „wertschätzt das wappen!“

Navarro bestieg am Dienstag die Tribüne der Ciudad Deportiva, um die Cadeten zu gratulieren. Was er hörte, ließ ihn stutzen. „Die Jungs haben diese Saison dantesche Szenen erlebt, wurden von Valencia regelrecht ausgeplündert und mussten trotzdem gegen dieselben Talente antreten. Am Ende pokern sie den Pokal gegen Erstliga-Akademien weg.“ Statt Selbstmitleid gab es einen Appell: „Ein Junge sagte: ‚Sag den Profis, sie sollen das Shirt ehren, das sie tragen.‘ Da sitzt der Nährstoff, den wir suchen.“

Die Anekdote ist Programm. Seit Wochen fordert Navorro mehr „Zaragocismo“ – jene Mischung aus Stolz und Raserei, die den Klub einst auf Europas Bühnen repräsentierte. Nun holt er sich die Argumente aus der U-15.

Taktik-tipp eines zwölfjährigen: „sag keidi, er soll nicht in die gasse laufen“

Taktik-tipp eines zwölfjährigen: „sag keidi, er soll nicht in die gasse laufen“

Ein Alevín nahm sich gestern sogar Keidi Bare vor. „Wenn Rober auf Außen zieht, rennt Keidi blind in den Halbraum. Dann folgt ein Abwehrspieler und blockiert das Eins-gegen-Eins.“ Navarro lachte, aber es klang wie ein Husten. „Das Kind hat’s kapiert. Wir nicht.“

Für ihn ist das kein Spaß, sondern Beweis: „Die Lösungen sind im Haus. Wir haben nur vergessen, hinzuschauen.“ Deshalb will er künftig „Pinilla-Modus“: mutige Sprünge aus der eigenen Akademie, um den Profis Adrenalin zu spritzen.

Die rechnung ohne sieg: 7 punkte aus 14 – drei hat er schon

Die rechnung ohne sieg: 7 punkte aus 14 – drei hat er schon

Navarro zieht Bilanz: ein Sieg, ein Remis, eine Niederlage. „Vielleicht brauchen wir ein zusätzliches Plus an Direktbegegnungen“, räumt er ein. „Aber ich rechne mit einem Erfolg in Córdoba. Danach sehen wir weiter.“

Der Glaube kommt nicht von ungefähr. Seine Mittelfeld-Riege läuft auf Hochtouren: „Mensah dominierte die zweite Hälfte gegen Mirandés, Saidu und Keidi rotieren nahtlos.“ Das Problem liegt vorn. Kenan Kodro traf in fünf Partien einmal. „Im Training versenkt er alles, im Spiel fehlt der Millimeter Platz“, so Navarro. Die Statistik ist gnadenlos: fünf Großchancen, kein Tor. „Wenn er in Córdoba trifft, dreht sich die Saison binnen 90 Minuten.“

Insua humpelt, francho rammt seine wand

In der Lazarett-Liste brodelt es. Pablo Insua plagt sich mit einer Fersenprellung, Francho Serrano kämpft nach Muskelbündelriss gegen die Uhr. „Er sagt, er rennt gegen die Wand, bis sie bröckelt“, berichtet Navarro. Guti kehrte ins Mannschaftstraining zurück, seine „Ballgefühlseinheiten“ sollen Samstag reichen. „Wir reisen mit dem, was läuft – und mit dem, was noch schneller laufen will.“

Der Trainer blickt nicht auf den Abgrund, sondern auf die Kids, die ihn daran erinnern, warum er überhaupt auf der Bank sitzt. „Wenn die Amateure uns zeigen, wie man kämpft, haben wir zwei Optionen: weglaufen oder mitmachen. Ich habe meine Entscheidung getroffen.“