Napoli ohne alle vier mittelfeld-stars: conte kämpft gegen torino
Es war als Märchen geplant und wurde zum Albtraum. Gegen Torino steht Antonio Conte vor einer Situation, die er in dieser Saison noch nie erlebt hat: Kein einziger seiner vier Schlüsselspieler im Mittelfeld wird von Beginn an auf dem Platz stehen. Lobotka, Anguissa, De Bruyne, McTominay – alle vier gleichzeitig ausgefallen. Ein historisches Novum, das die Verletzungsmisere von Napoli auf eine neue, bittere Spitze treibt.
Das projekt der fantastischen vier ist gescheitert
Conte hatte den Sommer genutzt, um sich ein Mittelfeld zusammenzustellen, das in der Serie A seinesgleichen suchen sollte. Das System: ein 4-1-4-1, in dem Lobotka als Anker vor der Abwehr agiert und dahinter Anguissa, McTominay sowie De Bruyne Energie, Kreativität und Unberechenbarkeit liefern. Ein Plan, der auf dem Papier revolutionär war. In der Realität blieb er ein Entwurf.
Lobotka war der Erste, der im Oktober mit einem Muskelproblem ausfiel. Dann erwischte es De Bruyne – ein hochgradiger Riss im rechten Bizeps femoris nach seinem verwandelten Elfmeter gegen Inter. Im November folgte Anguissa mit derselben Verletzung, diesmal am linken Oberschenkel. Und McTominay kämpft seit über einem Monat mit einer Entzündung im Gesäßbereich. Lobotka, der zuletzt zurückgekehrt war, zog sich nach dem Spiel in Verona erneut eine muskuläre Überlastung zu. Das Pech bei Napoli hat in dieser Saison System.

Gilmour übernimmt das kommando – mit fragezeichen
Die Schlüssel der Mannschaft liegen morgen bei Billy Gilmour. Conte holte den Schotten im Sommer 2024 aus Brighton, nachdem er ihn dort live beobachtet und sich sofort in seinen Stil verliebt hatte. Gilmour ist kein Lobotka – das weiß auch Conte. Wo der Slowake im engen Raum zaubern kann, sucht der Brite lieber den langen Ball, den schnellen Seitenwechsel, das direkte Spiel. Kein Fehler im System von Conte, eher eine andere Sprache, die dasselbe sagt.
Das Problem ist ein anderes. Gilmour stand zuletzt am 28. Oktober in Lecce in der Startelf – vor fast vier Monaten. Danach folgte eine Operation wegen einer hartnäckigen Schambeinentzündung. Sein Comeback gegen Roma verlief ordentlich, in Bergamo saß er noch auf der Bank, in Verona kam er als Joker und half beim Sieg. Jetzt soll er eine ganze Partie durchhalten. Ob sein Körper das mitmacht, wird sich zeigen.

Elmas und vergara: notlösungen, die sich bewährt haben
Neben Gilmour wird Eljif Elmas erneut eine Rolle übernehmen, die eigentlich nicht seine ist. Der Mazedonier, von Hause aus Zehner und hängende Spitze, läuft in dieser Saison als zentraler Mittelfeldspieler auf. Er presst, er deckt Passwege ab, er arbeitet defensiv – alles Dinge, die ihm niemand in seiner Karriere beigebracht hat. Und trotzdem macht er es. Das ist entweder ein Zeichen seiner Qualität oder ein Zeichen dafür, wie tief Napoli in der Not steckt. Wahrscheinlich beides.
Dazu kommt Vergara, ebenfalls offensiv geprägt, aber flexibel genug, um nach hinten zu arbeiten. In einer Notsituation ist jede Option willkommen. Anguissa und De Bruyne könnten immerhin auf der Bank sitzen und für ein paar Minuten eingreifen. McTominay hingegen ist noch kein Thema.
Napoli gegen Torino wird ein Napoli sein, das kaum jemand kennt. Kein Fab Four, kein Traumsystem, keine Garantien. Nur Gilmour, Improvisationstalent und die Hoffnung, dass Conte auch aus dem Nichts noch etwas formt. Er hat es in dieser Saison schon öfter geschafft – aber noch nie unter diesen Vorzeichen.
