Naher osten brennt, australien startet: formel 1 fliegt einfach drauf los

1000 Umbuchungen, drei Charterjets, keine Lufthoheit über Dubai – und trotzdem blinkt in Melbourne das Grün. Der erste Start um 5.00 Uhr deutscher Zeit ist sicher, sagt Travis Auld, der Mann, der den Grand Prix am Yarra steuert. Er wirkt nicht wie jemand, der eben eine Krise gelöst hat, sondern wie einer, der gerade eine Wette gewonnen hat.

Die fracht war schneller als die politik

Die Autos standen schon in ihren Containern am Albert Park, die Reifen heißgelaufen, bevor das erste Raketenfeuer über dem Persischen Golf aufleuchtete. „Wir haben umgeplant, bevor die Nachrichten rot wurden“, erklärt Auld und klingt dabei fast ein wenig stolz. Ein Logistikvorsprung, der sich auszahlt, wenn die Welt wieder einmal den Atem anhält.

Die Zahlen lügen nicht: 500 Teammitglieder sitzen inzwischen in den Maschinen, die statt über Doha jetzt über Mumbai, Singapur und dann südlich herum fliegen. Mehrere Tausend Kilometer Umweg, aber kein einziger Verzicht. Die Formel 1 hasst Pausen mehr als Regen.

TAG11

China und japan sind safe, bahrain und saudi-arabien stehen auf abruf

Nach dem Rennen am Sonntag geht es nach Shanghai und Suzuka – zwei Strecken, die keine Luftkorridore über den Krisenherd benötigen. Dort kann der Kalender weiterhin so ruhig wirken wie ein Samstag im Fahrerlager. Spätestens im April aber, wenn die Karawane nach Sakhir und Dschidda rollen will, wird die Frage wieder laut: Fliegen wir oder fliegen wir nicht?

Die FIA behält sich vor, Entscheidungen „Tag für Tag“ zu treffen. Das klingt nach Diplomatie, ist aber nichts anderes als eine Absage an Langfristigkeit. Sicherheit geht vor, aber Sponsorenverträge auch.

Die Teams selbst schweigen sich inzwischen in eine Art militärische Routine. Keiner spricht mehr von Angst, alle reden von „alternativen Routings“. Die Mechaniker trinken ihren Kaffee aus Thermosbechern mit Melbourne-Aufdruck, als wäre es das Normalste der Welt, nach 20-stündiger Flugzeit direkt Ventile einzustellen.

Was bleibt, ist eine Saison, die schon vor dem ersten Start einmal bewiesen hat, wofür der Sport steht: Weiterfahren, auch wenn die Welt stehenbleibt. Die Ampel springt auf Grün – egal, wie viele Rotlichter außerhalb der Strecke brennen.