Nagelsmann zückt den joker: undav donnert deutschland in die k.-o.-runde
Zwei Chancen, zwei Tore – und schon steht Deniz Undav im Scheinwerferlicht von ganz Kanada. Der Stuttgarter flog in Toronto als Einwechselspieler in die Partie gegen die Elfenbeinküste und flog wieder heraus – diesmal als Held. Sein Doppelpack binnen 13 Minuten besiegelte das 2:1 und das vorzeitige Ticket fürs Achtelfinale.
„Viel mehr entscheider geht nicht“
Julian Nagelsmann grinste nach dem Schlusspfiff, als hätte er ein Ass im Ärmel gehabt – und genau das war es. „Drei Tore, zwei Vorlagen in 56 Minuten – diese Zahlen sprechen eine klare Sprache“, sagte der Bundestrainer bei MagentaTV. Dann legte er nach: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass Deniz gegen Ecuador von Beginn an aufläuft.“ Die Aussage hallte durchs Mixed-Zone-Gewirr und landete direkt auf den Smartphones der Teamkollegen.
Was Nagelsmann liebt, ist nicht nur der pure Ertrag, sondern die Art, wie Undav ihn produziert. Das erste Tor: ein Timing-Sprint zwischen zwei Innenverteidigern, der mit einem gefühlvollen Außenrist ins lange Eck endete. Das zweite: eine Geheimbewegung im Rücken der Abwehr, gefolgt von einem Direktschuss aus spitzem Winkel. „Er schleicht sich weg wie ein Katzenburglar, dann knallt er sie rein. Brutal effizient“, schwärmte der Chef.

Müller spricht vom „stürmer-gen“
Thomas Müller, mittlerweile Experte und immer noch Spieler mit der Gabe, das Spiel in drei Sätzen zu erklären, lachte laut: „Das ist das Stürmer-Gen! Er weiß sofort: Jetzt schieße ich, Punkt.“ Dabei sei er kein klassischer Knipser, sondern ein Raumfresser, der Lücken aufreißt, bevor sie sichtbar werden.
Jonathan Tah hob die Energie des „Bank-Turboladers“ hervor: „Er pusht uns alle, wenn er reinkommt. Kein Mucks, nur Tore.“ Mats Hummels erinnerte an André Schürrle, WM-Ass von 2014, der damals ebenfalls als Joker Geschichte schrieb und im Finale den Vorlagengeber für Mario Götze spielte. „Fragt mal Schürrle, wie glücklich er damals war“, sagte Hummels trocken.

Undav selbst bleibt cool
Der Mann des Abends schlüpfte nach dem Duschen in ein leeres Trikot, nichts als das Nummer-9-Emblem auf der Brust. „Wie ich das mache? Gar keine Ahnung. Ich stehe einfach richtig und lass die Jungs arbeiten“, sagte Undav und klang, als hätte er nur den Rasen umarmt und nicht die ganze Nation. Dann wurde er ernster: „Wir sind auf Kurs, aber Kurs ist nicht Ziel. Ecuador wird nochmal ein anderes Kaliber.“
Trainer Emerse Faé von der Elfenbeinküste schüttelte resigniert den Kopf: „Wir hatten die Chance auf 2:0, dann kam dieser Undav. Die Erfahrung hat den Unterschied gemacht.“
Nagelsmann hat nun eine Woche, um die Frage zu beantworten, die alle stellen: Startelf oder weiter auf der Bank? Die Antwort steht in jedem Gespräch, das in den sozialen Medien tobt: Lass ihn laufen, solange der Flow stimmt. Die WM ist keine Schönheitskonkurrenz – sie ist ein Turnier der Tore. Und wer sie macht, bestimmt das Tempo.
