Nagelsmann wirft stiller ins sechserchaos: jetzt oder nie

Angelo Stiller darf morgen in Basel ran. Nicht, weil er der erprobte Weltmeister ist, sondern weil zwei andere kaputt gingen und Julian Nagelsmann keinen Bock mehr hat zu warten. Die Schweiz bekommt einen Sechser zu sehen, den der Bundestrainer vor einer Woche noch nicht mal einberufen wollte.

Warum ausgerechnet stiller?

Pavlovic’ Hüfte streikt, Nmechas Knieband zwickt – und plötzlich steht der VfB-Youngster vor der Kamera, als hätte er die Rolle seines Lebens gecastet bekommen. Nagelsmann redet sich das schön: „Er ist ein Magnet zwischen den Linien.“ Klingt nach Psychologie, ist aber einfach Notlösung. Denn Kroos bleibt in Madrid, Kimmich rutscht nach rechts, und die einzige Konstante ist die Unruhe.

Leon Goretzka wird ihm zur Seite stehen, ein Duo, das keine Minute zusammen trainierte. Goretzka bringt Laufwege, Stiller bringt Pass-Sicherheit – zumindest in der Bundesliga. Jetzt muss er es in 90 Minuten gegen die Schweizer Maschine beweisen, sonst landet er wieder im Koffer der fast Verwiesenen.

Die wm rückt näher, die lösung nicht

Die wm rückt näher, die lösung nicht

In 80 Tagen geht’s in Houston los. Wer da die Sechser trägt, weiß aktuell nur, dass es nicht Pavlovic und nicht Nmecha sein wird. Pascal Groß dürfte als Multifunktionswerkzeug mitfliegen, Anton Stach als Premier-League-Ranke, aber keiner von ihnen löst das zentrale Problem: Deutschland besitzt keinen Spieler, der gleichzeitig dribbelt, tackelt und dirigiert.

Nagelsmann redet sich raus: „Wir bauen ein stabiles Konstrukt.“ Klingt nach Lego, nicht nach Fußball. Die Wahrheit ist härter: Er muss aus Talenten und Ersatzleuten eine Achse basteln, die gegen Frankreich, gegen Brasilien, gegen den Gegner von morgen hält. Testspiele sind Lügen, echte Turniere benötigen Köpfe, die auch mal 1:0 hinten liegen und trotzdem spielen, als wäre alles nach Plan.

Stiller bekommt diese 90 Minuten, vielleicht nur diese. Schweiz, Ghana, danach Finnland und USA – vier Auftritte, um sich einen Platz im Flieger nach Houston zu erkämpfen. Versagt er, kommt der nächste Name. Versagt Goretzka, rutscht Kimmich doch wieder nach innen. Der Kreis schließt sich, das Herzstück pulsiert, aber der Rhythmus bleibt irregular.

Die Quote, dass am 14. Juni in Houston genau dieser Sechser-Duo steht, liegt laut interner Analyse bei 34 %. Nagelsmann wird es nicht wissen wollen, er kann nur hoffen, dass sein improvisierter Magnet morgen die richtigen Metallstücke anzieht. Ansonsten bleibt die ehrliche Erkenntnis: Deutschland sucht nicht den Supersechser – Deutschland sucht ein Wunder, und die Uhr tickt.