Nagelsmann fordert netto-spielzeit und käfigstrafen – sein plan, den fußball zu retten

Julian Nagelsmann wirft den Ball flach: »Ich habe tausend Ideen«. Was klingt wie ein Instagram-Spruch, ist der Versuch, Deutschlands Lieblingsspiel vor dem Kollaps zu bewahren. Der Bundestrainer fürchtet, dass der Fußball sich selbst zerlegt – mit 15-minütigen Schauspielchen, Wechseltheater und Zeitspiel. Ab Minuten 80 schaltet laut Nagelsmann kaum noch jemand ein.

Seine Lösung: Die Uhr bleibt stehen. Jede Unterbrechung ab der 80. Minute stoppt die Netto-Spielzeit. Kein Rumliegen mehr, keine achte Behandlung für einen mysteriösen Oberschenkel. Der Trainer rechnet vor: »Da wird gewechselt, verzögert, liegt geblieben. Das lässt sich ändern.« Die Idee stammt aus dem Handball, wo die Uhr schon längst der Spielverderber ist.

Taktisches foul kostet künftig zwei minuten käfig

Taktisches foul kostet künftig zwei minuten käfig

Die zweite Revolution trifft den Profi, der den Gegner auf dem Weg zum Tor umreißt. Gelb? Lacher. Stattdessen schickt Nagelsmann ihn für 120 Sekunden auf die Strafbank. »Mannschaft B hat nichts davon, wenn der Foulende später gegen Mannschaft C fehlt«, sagt er. Überzahl, offene Räume, Zuschauer jubeln – das sei »ein anderes Spiel«.

Die DFB-Elf hat unter ihm ohnehin Tempo gelernt. 37 Tore in zehn Länderspielen, kein Gegner blieb unterschritten. Doch der Erfolg täuscht. Nagelsmann sieht die Jugend wegscrollen, weil TikTok mehr Action liefert. »Wir müssen etwas verändern, damit er seinen Stellenwert behält«, warnt er. Sonst läuft künftig Fortnite auf dem Rasen.

Die FIFA bastelt bereits: Bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada gibt es zwangsweise Trinkpausen. Der Coach jubelt – nicht wegen der TV-Werbung, sondern wegen der Macht. »Im Handball, American Football oder Basketball hast du viele Einflussmöglichkeiten. Im Fußball bin ich 45 Minuten stumm. Das war schon immer Schwachsinn.«

Ob die Netto-Zeit kommt? Das Regelwerk ist ein Betonkopf. Doch Nagelsmann hat schon den nächsten Gegner im Visier: die Langeweile. Seine Ideen sind kein Wunschkonzert, sondern ein Alarmschuss. Wer nicht läuft, wird abgeschossen – von der Uhr oder vom Publikum. Die Uhr tickt. Endlich.