Nadine fähndrich beendet karriere: schweizer langlauf verliert ihre königin
Sie ging, wenn die Piste steil wurde. Jetzt ist Schluss. Nach elf Jahren Weltcup, 25 Podestplätzen und dem Silber-Coup von Milano Cortina verabschiedet sich Nadine Fähndrich – und hinterlässt eine Lücke, die Swiss-Ski so schnell nicht schließen wird.
Die 30-jährige zieht bilanz: „ein privileg“
Die Luzernerin blickt zurück auf einen Weg, der 2015 in Lenzerheide begann und Ende März in Les Diablerets endet. Zwischen diesen beiden Punkten liegen sieben Weltcupsiege, drei WM-Medaillen – und jenes Silber im Teamsprint, das sie sich selbst zum Abschied schenkte. „Dass ich mein Hobby zum Beruf machen durfte, war ein Privileg“, sagt Fähndrich. Das klingt bescheiden. Es ist ihre Art, eine Karriere zu würdigen, die alle Messlatten übertraf.
Die Zahlen sind gnadenlos. Keine Schweizerin stand häufiger auf dem Sprint-Podest, keine war so konstant, wenn die Fristen eng wurden. Evi Kratzer und Laurien van der Graaff? Geschichte. Fähndrich setzte neue Maßstäbe – und das in einem Land, das sich gern als Langlauf-Großmacht sieht, es aber nur in Etappen war.

Heimsiege, höhenflüge und ein hauch von unvollendung
Dezember 2022: Davos, Val Müstair. Zweimal starten, zweimal gewinnen. Die Ruhe, mit der sie die Gegnerinnen in den letzten 200 Metern abschüttelte, war eine Demonstration. Doch das Olympia-Gold blieb aus – bis Milano. Dort holte sie mit Nadja Kälin das Silber, das fehlende Puzzlestück. Perfekt? Fast. Die kleine Kristallkugel für die Sprint-Gesamtwertung führt noch Linn Svahn. Fähndrich liegt zwei Rennen vor Schluss auf Rang zwei. Ein letzter Biss, dann ist Schluss.
Die Verbandsseite schreibt von „einer der herausragendsten Karrieren“. Das klingt nach Pressestelle. Die Realität: Swiss-Ski verliert seine Anführerin, die Athletin, die Sponsoren lockte, Medien begeisterte und in der Kabine den Ton angab. Ihre Startnummer wird neu vergeben, doch die Lücke bleibt. Die nächste Generation – Selina Groner, Anja Weber – steht bereit. Ob sie Fähndrichs Kühle, ihre Killer-Instinkt-Phase im Finish je erreichen? Offen.
Ende März heißt es: „Danke, Nadine.“ Dann wird sie die Ski an den Nagel hängen – und Swiss-Ski wird merken, dass man Königinnen nicht einfach ersetzt. Man kann sie nur feiern, solange sie laufen. Danach bleibt Stille. Und die Statistik.
