Nach porto-blamage: vfb stuttgart muss jetzt drehen – oder raus
Stuttgart – Die erste Viertelstunde war ein Déjà-vu mit Schmerzpuls. Zwischen Minute 21 und 27 zerlegte Porto den VfB, als wäre Paris Saint-Germain wieder auf dem Platz. 2:0, eiskalt, direkt, ohne Gnade. Sebastian Hoeneß sprach danach von „sieben Minuten Kopflosigkeit“. Der Rest war nur noch Nachspielzeit – und trotzdem lebt das Achtelfinale.
Der anfang war ein albtraum in dauerschleife
Die MHP-Arena ratterte, als hätte jemand den Januar-Film gegen PSG erneut abgerufen. Dieselben Lücken, dieselbe Ratlosigkeit. Porto schaltete drei Gänge höher, Stuttgart schaltete ab. „Wir haben vorne den Ball zu schnell verloren und prompt bestraft bekommen“, so Hoeneß. Der Trainer sprach leise, fast flüsternd, als wolle er das Geschehene nicht noch einmal laut werden lassen.
Doch es gibt eine Momentaufnahme, die Hoffnung macht: Deniz Undav trifft zum 1:2. Kein Troffergen, sondern ein Startschuss. „Fußballerisch sind sie nicht besser als wir“, sagt Undav mit klarer Stimme. „Aber sie waren ekliger.“ Das Wort steht im Raum wie ein Verheißung. Eklig – so morgen in der Dragão.

Die spielweise der portugiesen liefert die blaupause
37 Mal lag der Porto-Linksverteidiger laut Undav am Boden, 37 Mal wurde die Partie unterbrochen. Reklamieren, verzögern, provozieren. Stuttgart-Spieler bügelten das ab als „unangenehm, aber effektiv“. Nun sollen die Schwaben dieselbe Medizin verabreichen. „Wir müssen genauso eklig sein“, fordert Undav. Provokation als taktisches Mittel, Zeitspiel als Waffe. Wer schreit, gewinnt – lautet die neue Devise.
Die Fans stimmen mit ein. „Es ist erst Halbzeit!“ tönte es durch den Block, als die Mannschaft unter Applaus in die Kabine schritt. Das 2:1 wirkt wie ein Handtuch, das man in eine Flamme wirft – klein, aber feucht genug, um sich selbst nicht zu verbrennen.

Stuttgart braucht ein wunder oder ein 1:0 – beides ist drin
Statistiker wissen: Ein Auswärtstor reicht oft, um ein Gesamtresultat zu kippen. Und genau dort liegt die Chance. Porto verteidigt nicht mit Galaktikern, sondern mit Disziplin. Läuft der VfB früh an und trifft, muss der Gegner zwei Tore erzielen. Das ist keine Theorie, sondern ein Szenario mit Hand und Fuß.
Die letzte Runde der Europa League, in der Stuttgart dabei war, datiert auf 1998. Unter Joachim Löw schaffte man damals das Halbfinale. Heute ist Hoeneß an der Linie, und er weiß: „Wenn wir den Kopf behalten, ist alles drin.“ Der Blick geht nach Lissabon, wo die Dragão brüllt. Dort will Stuttgart nicht nur das 2:1 vergolden, sondern auch ein Stück Club-Geschichte neu schreiben.
Am Donnerstag zählt kein Déjà-vu, sondern ein Neuanfang. Entweder Stuttgart dreht auf – oder die Saison endet mit dem bittersten Lehrstück des Jahres. Die Uhr tickt. Die Beine müssen rennen. Und die Köpfe? Die müssen nüchtern bleiben, wenn das Feuer um sie herum lodert.
