Nach 8 trainerwechseln ein tabubruch: nyman bleibt bei den roosters
Die Iserlohn Roosters schreiben Historie, ohne Titel oder Pokal: Zum ersten Mal seit der Saison 2017/18 wird ein Cheftrainer gehalten – und das nach Platz 12. Stefan Nyman darf weitermachen, zwölf Spieler müssen gehen. Die Botschaft ist klar: Kontinuität vor Konstanz.
Stefan nyman überlebte den reset, den er selbst forderte
Als der Schwede vor zwölf Monaten an den Seilersee kam, sprach er von „Kulturveränderung“. Nun kassiert er sie barfuß: zwölf Abgänge, darunter Namen wie Henrik Törnqvist oder Anthony Camara, die zuletzt als Identifikationsfiguren galten. Doch Nyman lacht nicht über Rache, er spricht von „Reifung“. Die zweite Halbserie habe gezeigt, „dass wir ein Play-off-Team sein können“, sagt er. Die Liga lacht darüber, dass ausgerechnet Iserlohn nun Kontinuität predigt.
Sportdirektor Franz-David Fritzmeier wischt den Spott beiseite: „Nach acht Jahren Wechselwirbel wollen wir wissen, wie sich Planung anfühlt.“ Die Zahlen sprechen für ihn: Seit 2016/17 wechselten 14 Trainer, nur einmal (2019/20) schaffte der Klub die Meisterrunde. Die Devise lautet: Wer nicht springt, wird nicht fallen gelassen.
Doch der Kader wird jünger, schneller, billiger. Mit Kyle Wood führt man Einzelgespräche – ein Alleinunterhalter inmitten von Abfahrtsstimmung. Die Roosters sparen, weil sie müssen: Die Lizenzauflagen der DEL verschärfen sich, die Einnahmen aus TV und Sponsoring stagnieren. Wer nicht selbst hebelt, wird abgehängt.

Die saison 2024/25 wird zum praxistest für nymans philosophie
Die Fans reagieren gespalten: Die einen feiern das Ende der Dauerbaustelle, die anderen fürchten ein zweites Joshua Dam-Debakel, als man 2021 nach einem vermeintlichen Neuanfang auf Platz 15 landete. Die Wahrheit liegt auf dem Eis: Nyman muss aus Nachwuchs und Leihgaben eine Defensive zimmern, die zuletzt 248 Gegentore kassierte – schlechtester DEL-Wert.
Die Uhr tickt. Am 12. Juli beginnt das Trainingslager in Füssen, am 15. September steht das erste Punktspiel gegen die Adler Mannheim an. Bis dahin muss Nyman aus Resten eine Mannschaft bauen, die nicht nur Überleben will, sondern auch spielerische Identität zeigt. Die Liga schaut auf Iserlohn – nicht weil der Klub groß ist, sondern weil er plötzlich anders ist.
Die Message ist unmissverständlich: Wer sich ändert, ohne zu stürzen, kann auch siegen, ohne zu glänzen. Ob das reicht, wird sich zeigen. Die Roosters haben ihren Nervenkitzel eben nicht nur an der Bande, sondern auch an der Trainerbank neu erfunden.
