Mutige gründerinnen auszeichnen: berliner frauenpreis geht an viktoria-revolution

Sechs Frauen, ein Preis, ein Signal. Die Gründerinnen des Frauenfußballteams von Viktoria Berlin haben am Montagabend im Roten Rathaus den Berliner Frauenpreis entgegengenommen – und damit erstmals Sportlerinnen in die 38-jährige Geschichte der Auszeichnung geschrieben.

Ein klub wie ein start-up, gemacht von frauen, für frauen

Die Jury würdigte nicht nur Platzierungen oder Tore. Sie ehrte eine Gesellschafterstruktur, die 2022 das Unternehmen „Viktoria Frauenfußball“ aus der Taufe hob und das Team damit finanziell und organisatorisch loslöste von der traditionsverwurzelten Männerabteilung. Resultat: Tabellenplatz fünf in der 2. Liga, ein Besucherrekord im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark und ein Leuchtturmprojekt, das mittlerweige Clubs aus Bremen bis München aufhorchen lässt.

„Ich kenne Pokale, WM-Titel, Champagnerduschen“, sagte Ariane Hingst, zweimalige Weltmeisterin und eine der Preisträgerinnen. „Aber diese Trophäe hier ist schwerer, weil sie für etwas steht, das wir uns selbst erarbeitet haben: Freiheit, Unabhängigkeit und ein Stück weibliche Selbstverständlichkeit im deutschen Fußball.“

Die feierliche Übergabe übernahm Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD). Mit 5.000 Euro dotiert und begleitet von einer Skulptur der Künstlerin Esther Janshen ist der Preis zwar keine Millienden-Investition, doch die Symbolkraft ist enorm. Denn wo sonst Gender-Gipfel, Politikerinnen und Unternehmerinnen den Ton angeben, rückt nun ein Dress, ein Ball und ein Trikot mit dem Adler auf der Brust in den Fokus.

Die strategie dahinter: unabhängigkeit als geschäftsmodell

Die strategie dahinter: unabhängigkeit als geschäftsmodell

Losgelöst von Männerstrukturen entscheiden Tanja Wielgoß, Felicia Mutterer und Katharina Kurz selbst über Werbepartner, Ticketpreise und Nachwuchskonzepte. Das Frauen-Start-up innerhalb des Traditionsklubs wirbt mit Transparenz, Diversität und einem Beirat, der ausschließlich aus Ökonominnen und Sportexpertinnen besteht. Sponsoren schlagen sich Schlange, weil die Marke „Viktoria Frauen“ längst über Berlin hinaus für Zukunftsfähigkeit steht.

Abwesend bei der Gala waren Lisa Währer und Verena Pausder – letztere ist zugleich Aufsichtsrätin des Hauptgesellschafters Media-Markt Saturn und steht derzeit mitten in einer Verhandlungsrunde über neue TV-Rechte. Ihre Abwesenheit wirkt wie ein Statement: Die Arbeit geht weiter, egal ob mit oder ohne roten Teppich.

Der Berliner Frauenpreis mag ein Etappenziel sein, doch die Liga ist noch lang. Für Viktoria geht es am Wochenende gegen Turbine Potsdam – ein Duell, das manchem Männer-Derby die Schlagzeilen stehlen könnte. Denn wer jetzt noch glaubt, Frauenfußball sei bloß ein Nice-to-have, hat den Schuss nicht gehört. Die Revolution läuft, und sie trägt diesmal kein Sakko, sondern Stutzen.