Musiala stolpert ins wm-rennen: nur sechs tage, um nagelsmanns plan zu retten
Jamal Musiala rennt, Zeit. Sechs Tage vor dem ersten Pflichtspiel in der Nationalelf steht der Münchner mit 70 Prozent Laufleistung im Rampenlicht – und das kann Julian Nagelsmann gerade noch reichen. Das 2:1 gegen die USA war kein Test, es war ein Alarmsignal.
Die Zahlen sind hart: ein einziges erfolgreiches Dribbling, vier von 15 Zweikämpfen gewonnen, Pässe, die entweder zu spät oder zu hart kamen. „Er ackert, beißt, läuft“, sagt ein Betreuer nach dem Spiel, „aber die Leichtigkeit fehlt.“ Genau diese Leichtigkeit aber macht ihn zum Spielmacher.
Wirtzieft, musiala trifft – und trotzdem kriselt es
Während Florian Wirtz gegen die Schweiz noch zwei Tore und zwei Vorlagen lieferte, wirkt Musiala wie in Zeitlupe. Der Wadenbeinbruch und die Sprunggelenksblessur vom Frühjahr nagt an seiner Beschleunigung. „Flo ist eh top, Jamal braucht ein bisschen Luft“, sagt Nagelsmann, doch die Doppelfunktion „Wusiala“ funktioniert nur synchron.
Das Problem: Ohne Musialas Dribbling-Tiefe bleibt die gegnerische Abwehr kompakt. Ohne Wirtz’ letzte Pässe bleibt Musiala isoliert. Ein Teufelskreis, der schon gegen Curacao am 14. Juni auffliegen kann – und spätestens gegen Ecuador am 25. Juni explodiert.

Nagelsmann zahlt auf ein phantom
Der Bundestrainer pokert. Er setzt auf 70 bis 80 Prozent Musiala, weil selbst diese Ausgabe „besser ist als viele Weltklassespieler“, wie er betont. Doch das ist kein Kompliment, sondern ein Schulterzucken. Denn die Alternative lautet: Leroy Sané auf links, Wirtz zentral, Serge Gnabry rechts – und Musiala auf der Bank.
Kein Szenario, das sich Nagelsmann vor dem eigenen Anspruch erklären will. Musiala aber hat nur noch sechs Trainingseinäufe, um sich den Körper neu einzuprogrammieren. Die Uhr tickt lauter als das Campo-Karussell.

Die echten prüfungen warten
Curacao wird ein Schützenfest für die Rotation. Die Elfenbeinküste am 20. Juni schon weniger. Gegen Ecuador braucht Deutschland jedoch den Musiala, der gegen Italien im Juni 2022 drei Gegenspieler aussteigen ließ. Ein Spieler, der heute nicht mal gegen den US-Linksverteidiger Antonee Robinson durchkam.
Wenn Musiala bis dahin nicht wieder seine 100 Prozent erreicht, verändert sich Nagelsmanns Turnierplan komplett. Dann der Bundestrainer in Gedanken schon einen Plan B skizziert – er wird ihn nicht aussprechen. Stattdessen betont er weiterhin: „Bis dahin ist er bei 100 Prozent.“ Eine Behauptung, die klingt wie ein Wunschdenken.
Die Wahrheit steht auf dem Platz: Entweder Musiala findet in Rekordzeit zurück zur Magie – oder die deutsche Offensive verliert ihre Seele. In sechs Tagen entscheidet sich, ob Deutschlands WM-Traum mit einem Hinken beginnt.
