Musa zurück in magdeburg: ex-held schaut nicht nur zu
Zeljko Musa stand wieder an der Elbe, und das nicht als Tourist. Der 40-Jährige saß beim 29:36 gegen Barcelona fast auf der Bank, nur ohne Headset. Stattdessen trug er Jeans und Sneakers, doch die Haltung war dieselbe: aufrecht, wach, als könnte er jeden Moment springen.
Der kroate hospitiert bei wiegert – und will mehr
Sechs Jahre nach seinem Abschied ist der ehemalige Kreisläufer beim SC Magdeburg zu Gast, um zu lernen. „Ich bleibe bis Freitag, schaue mir Training, Videoanalyse und Gespräche an“, sagt er. Zwischen den Sessions notiert er sich Stichpunkte, diskutiert mit Bennet Wiegert über Staffelungen und 3-2-1-Verteidigung. „Ich will wissen, wie er es schafft, dass die Gruppe immer noch brennt.“
Die Antwort liegt auf dem Platz. Magdeburg führt die Tabelle, hat fünf Punkte Vorsprung auf die Füchse Berlin und fegte Hannover-Burgdorf mit 35:30 weg. Die Niederlage gegen Barcelona stört niemanden – sie war erwartet, sie war Lehrgeld. „Wir haben gesehen, wie schnell Umschaltmomente verpuffen, wenn man nicht 100 % gibt“, erklärt Musa. „Genau diese Details will ich mitnehmen.“
Vom pokalhelden zum lehrling
2016 holte er mit dem SCM den DHB-Pokal, 2021 die European League. 152 Länderspiele für Kroatien, 421 Tore in Magdeburg. Doch die Zahlen interessieren ihn nicht. „Erinnerungen sind schön, aber sie füttern keinen Zukunftsplan“, sagt er. Nach seinem Engagement in der Schweiz – Cup-Sieg mit Kriens-Luzern – ist er arbeitslos. „Ich habe Anfragen, aber ich will die richtige Stelle, nicht die erste.“
Also kehrt er zurück an den Ort, an dem er sich als Spieler entwickelte. Er schläft im Gästezimmer des Trainingshotels, isst mit den Junioren, steht um 7 Uhr auf dem Rasen. „Wenn du denkst, du kennst Handball, kommt Benno und zeigt dir 15 neue Drills.“
Die fans feierten ihn – und er sie
Als Musa am Montagabend in die Halle spazierte, ertönte ein ohrenbetäubendes „Zeljko!“ Er winkte, klatschte mit den Anhängern ab, posierte für Selfies. „Diese Nähe gibt es nur hier. In der Schweiz kamen nach dem Spiel 20 Leute, hier sind es 3 000, die alle wissen, wie du atmest.“
Die Rückkehr ist kein PR-Gag. Musa will sich beweisen, dass er mehr ist als ein Ex-Spieler mit Erinnerungsalbum. „Wenn ich 2025 eine Mannschaft übernehme, muss ich bereit sein. Keine Sprüche, keine Stories – nur Handball.“
Am Freitag fliegt er zurück nach Zagreb. Aber die Koffer bleiben offen. „Magdeburg ist ein Tor, kein Abstecher“, sagt er. Und dann verschwindet er in der Kabine, wo Wiegert gerade die Barcelona-Analyse startet. Musa nimmt Platz. Stift in der Hand. Bereit für die nächste Seite.
