Mungiu triumphiert in cannes: ein rumänischer triumph!

Cannes, Frankreich – Ein Paukenschlag beim diesjährigen Filmfestival: Cristian Mungiu, der bereits 2007 mit „4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage“ die Jury begeisterte, hat mit seinem neuen Werk „Fjord“ die begehrte Palme d’Or abgeräumt. Ein zweiter Triumph für den rumänischen Regisseur, der die Welt des Kinos erneut in seinen Bann zieht.

Ein film über toleranz und misstrauen

Ein film über toleranz und misstrauen

„Fjord“ erzählt die Geschichte der Familie Gheorghiu, einem rumänischen Vater und einer norwegischen Mutter, die mit ihren Kindern in ein idyllisches norwegisches Dorf zieht. Doch die vermeintliche Harmonie zerbricht, als die neuen Nachbarn verdächtigt werden, den Kindern etwas angetan zu haben. Mungiu zeichnet ein erschreckendes Bild einer Gesellschaft, die sich zwar tolerant gibt, aber im Grunde von Misstrauen und Vorurteilen geprägt ist. Der Film ist ein Spiegelbild unserer Zeit, in der die Fassade der Toleranz oft nur eine dünne Schicht über tief sitzenden Ängsten verbirgt.

Neben Mungius Triumph gab es weitere Auszeichnungen. Emmanuel Macchia und Valentin Campagne wurden für ihre herausragenden Leistungen in Lukas Dhonts „Coward“ mit dem Preis für die besten Schauspieler ausgezeichnet. Der Film, der in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs spielt, ist ein bewegendes Plädoyer für die Bedeutung von Kunst, Leben und Liebe. „Es ist ein Film, der uns daran erinnert, wer wir sind und wer wir sein können“, so die beiden Darsteller.

Virginie Efira und Tao Okamoto überzeugten als beste Schauspielerinnen in Ryusuke Hamaguchis „All of a Sudden“, der bereits 2022 mit dem Oscar für den besten internationalen Film ausgezeichnet wurde. Ihre Darstellung zweier Frauen, deren Leben durch eine unerwartete Begegnung für immer verändert wird, berührte das Publikum zutiefst.

Javier Calvo und Javier Ambrossi teilten sich den Preis für die beste Regie für ihren Film „La bola negra“, der auf einer unvollendeten Erzählung von García Lorca basiert. Paweł Pawlikowski wurde ebenfalls mit dem Regiepreis für „Fatherland“ geehrt, der sich mit dem Leben des deutschen Schriftstellers Thomas Mann und dessen Beziehung zu seiner Tochter Erika auseinandersetzt.

Valeska Grisebachs „The Dreamed Adventure“ erhielt den Preis der Jury, während Andrej Zvyagintsevs „Minotaur“ mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurde. Zvyagintsev setzt mit seinem Film ein deutliches Zeichen gegen das russische Regime und dessen Machtmissbrauch. Emmanuel Marre gewann den Preis für das beste Drehbuch für seinen Film „Un homme de son temps“, der die Zeit der Vichy-Regierung in Frankreich beleuchtet.

Die 84-jährige Barbra Streisand wurde mit der Goldenen Ehrenpalme ausgezeichnet, konnte der Zeremonie jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich beiwohnen. In einem bewegenden Video-Gruß bedankte sich Streisand für die Ehrung und erinnerte an die prägenden Erfahrungen ihrer Jugend, als sie in einem kleinen Kino in New York Filme von Fellini, Bergman und Kurosawa sah. „Das Kino hat die magische Fähigkeit, Herzen und Köpfe zu öffnen“, sagte sie.

Die 79. Ausgabe des Filmfestivals in Cannes hat eindrucksvoll bewiesen, dass das Kino weiterhin eine wichtige Rolle spielt, um gesellschaftliche Missstände aufzudecken und zum Nachdenken anzuregen. Die Entscheidung der Jury, Cristian Mungiu mit der Palme d’Or auszuzeichnen, ist ein Zeichen dafür, dass das Kino nicht nur unterhalten, sondern auch zum Dialog anregen und Veränderungen bewirken kann.