München wählt grün – und der fc bayern plötzlich im fadenkreuz

Dieter Reiter ist Geschichte, Dominik Krause regiert – und die Säbener Straße zuckt mit den Schultern. Doch hinter den Kulissen arbeitet der Rekordmeister schon an der wahren Machtfrage: Wer rückt im Aufsichtsrat nach?

Der Knall kam am Sonntag, 23. März, um 20:05 Uhr. In der Stichwahl fiel das Rathaus in grüne Hand, 57,3 Prozent für Krause. Politkommentare sprechen sofort vom „FC-Bayern-Effekt“, denn der scheidende SPD-Mann hatte 90 000 Euro Aufwandsentschädigung vom Klub kassiert – ohne Stadtratsvotum. Die Staatsanwaltschaft prüft, die Boulevardpresse jubelt. An der Säbener Straße schüttelt man nur den Kopf. „Reiter hat seinen Wahlkampf verkackt, mehr nicht“, raunt ein Vorstandsvertreter. „Wir sind kein Rathaus-Stolperstein, wir sind Fußball.“

Warum der neue ob den löwen die daumen drückt

Krause ist Giesinger, aufgewachsen zwischen Grünwalder Straße und Isar. Sein Herz schlägt für 1860 München, Instagram folgt er dem TSV, nicht dem FCB. Ein Symbol, das die Bild-Zeitung sofort aufgreift. Für die Bayern-Verantwortlichen ist das Nebensache – schließlich genehmigte der designierte OB schon 2025 die Stadt-Millionen für die neue Campus-Anlage. Er wird auch künftig den Marienplatz für Meisterfeiern sperren, kostet die Kommune jedes Mal eine halbe Million. Die Linken fordern, der Klub solle selbst blechen; Krause lehnte das ab. Ein kleiner Hoffnungsschimmer an der Säbener Straße.

Trotzdem bleibt Unruhe. Denn mit Reiter verschwindet nicht nur ein Politiker, sondern auch ein „geborenes Mitglied“ im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG. Dieses Automatismus-Prinzip sichert dem Verwaltungsbeirats-Vorsitzenden einen Sitz im mächtigsten Gremium des Klubs – direkt neben Herbert Hainer. Wer also rückt nach?

Alexandra schörghuber steht in den startlöchern

Alexandra schörghuber steht in den startlöchern

Die stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsbeirats gilt als Favoritin. Die Witwe des Immobilienmilliärders Paul Schörghuber verfügt über Netzwerke in Politik und Wirtschaft – und ist zugleich unverdächtig, parteipolitisch gesteuert zu werden. Intern nennt man sie „Ruhepol“. Doch offiziell ist nichts beschlossen. Die CSU schickt Gerhard Schindler ins Rennen, ein früherer Präsident des Bayerischen Landtages. Die Grünen munkeln, man wolle die Position neu besetzen – vielleicht mit einer Frau aus der Kulturszene. Die Entscheidung fällt im Juni, parallel zur Hauptversammlung. Bis dahin kocht die Machtfrage auf kleiner Flamme.

Derweil plant der Klub weiter. Der 100-Millionen-Campus an der Säbener Straße bekommt trotz OB-Wechsel seine Baugenehmigung, die Grundstücksverhandlungen mit dem Stadtbezirk Unterhaching sind abgeschlossen. Sportdirektor Freund lacht: „Wir bauen Fußballstätten, keine Politik.“ Doch genau diese Grauzone beschert dem FC Bayern ungewollte Aufmerksamkeit. Denn wer künftig den Verwaltungsbeirat leitet, sitzt automatisch an der Tischspitze, wo über Kapitalerhöhungen, Sponsorendeals und künftige Trainerentscheidungen gewacht wird. Die neue Machtfrage ist längst keine Nebensache mehr.

Am Ende zählt eine Zahl: 1,2 Milliarden Euro beträgt der geschätzte Börsenwert der FC Bayern München AG. Der Aufsichtsrat kontrolliert die Richtung. Die Kommunalwahl ist vorbei, der Kampf um den Einfluss beginnt erst.