Msv duisburg stolpert auswärts: die zebras verlieren ihre galligkeit
1:5 in Rostock, das ist keine Blamage mehr, das ist ein Signal. Der MSV Duisburg rutscht erstmals in dieser Saison aus den Top-3 – und niemand im Revierklub lacht mehr.
Trainer Dietmar Hirsch, sonst ein Mann der klaren Sätze, stand nach dem Schlusspfiff mit leerem Blick da. „Mir fehlen die Worte“, sagte er, und das klang nicht wie eine Floskel, sondern wie eine Diagnose. In drei Minuten lag seine Mannschaft 0:2 zurück, nach 34 Minuten war das Spiel mit 1:4 entschieden. Die Abwehr wirkte wie ein Haufen Fremder, die sich zufällig im Strafraum trafen.
Die ostsee-farce in zahlen
Neun Duisburger verteidigten gegen drei Rostocker eine Ecke – und kassierten trotzdem das 0:2. Die Szene ging viral, nicht weil sie schön war, sondern weil sie peinlich war. „Lachhaft“, nannte Hirsch sie später. Das Wort traf den Nagel auf den Kopf: Wer so verteidigt, bekommt „den Arsch voll“, wie der Coach unverblümt formulierte.
Die Statistik ist gnadenlos: Auswärts holte der MSV aus den letzten vier Spielen einen einzigen Punkt. Die Bilanz fern der Schauinsland-Reisen-Arena: 17 Zähler aus 15 Partien, nur vier Siege. Die Heimstärk (34 Punkte/14 Spiele) verpufft im fremden Stadion wie ein Feuerwerk im Regen.

Bulić fehlt, die balance auch
Rasim Bulić, von Hirsch liebevoll „Krieger“ genannt, fehlt seit dem 1:6 in Wiesbaden. Ohne ihn wirkt die Mittelfeldreihe wie ein Zahnrad ohne Zähne. Die Ballgewinne sinken, die Gegenstöße werden zum Standardprogramm. Hirsch sieht das Problem: „Wir leben in Extremen.“ Die Offensive blüht, die Defensive verrottet. Das ist kein Fußball, das ist ein Kardiogramm mit Herzinfarkt.
Die Lösung? Konstanz, sagt Hirsch. Aber Konstanz ist kein Schalter, den man umlegt. Sie ist ein Prozess, und der beginnt in zwei Wochen, wenn Bulić hoffentlich wieder mittrainieren kann. Bis dahin muss der MSV lernen, auch ohne seinen Sechser zu verteidigen – oder er versinkt im Mittelfeld der 3. Liga.
Die Zebras sind gewarnt: Wer so tief schläft, wacht irgendwann in der Tabellenmitte auf. Und dort ist der Winter besonders lang.
