Mourinhos wut-ausbruch: „ich will diese spieler nicht mehr sehen!“,
Lissabon – Der portugiesische Fußball-Primus Benfica Lissabon steuert auf eine enttäuschende Saison zu, und die Schuld dafür gibt Trainer José Mourinho offen seinen Spielern. Nach dem müden 1:1 gegen den Abstiegskandidaten Casa Pia ließ der Special One seiner Frustration freien Lauf – und das mit der ihm eigenen Deutlichkeit.

Die ausreden des trainers: marktwert und mangelnde mentalität
„Es gibt Spieler, die ich im Moment nicht mehr auf dem Platz sehen möchte“, polterte Mourinho nach dem Spiel. Seine Begründung klingt zunächst paradox: „Aber sie sind ein wertvoller Teil des Vereins. Selbst wenn ich sie verkaufen möchte, ist es einfacher, wenn ich sie aufstelle, um ihren Marktwert zu erhalten.“ Ein klarer Hinweis darauf, dass er mit der Leistung einiger seiner Schützlinge nicht zufrieden ist und gleichzeitig wirtschaftliche Interessen verfolgt. Doch Mou ging härter mit seinen Spielern ins Gericht. Er kritisierte ihren fehlenden Bezug zur Realität und mangelnden Lebensgeist. „Manche scheinen den Bezug zur Realität verloren zu haben, als ob sie nicht für den Fußball leben würden.“
Die eigentliche Kritik richtete sich jedoch gegen den Charakter seiner Spieler. „Es gibt Spieler, die hungrig nach Siegen sind, und andere, die das Leben auf die leichte Schulter zu nehmen scheinen. Das macht mich traurig. Sie sind keine schlechten Menschen oder schlechten Profis, aber es mangelt ihnen stark an Charakter.“ Ein Schlag ins Gesicht für die vermeintlichen Leistungsträger?
Benfica mag zwar ungeschlagen die einzige Mannschaft in der Liga Portugal sein, doch die neun Remis in 28 Spielen sprechen Binde: Sieben Zähler fehlen dem Team auf den Spitzenreiter FC Porto. Mit nur noch sechs Partien vor dem Saisonende schwinden die Titelhoffnungen zusehends. Mourinho sieht die Chance bereits vertan: „Wir haben die Chancen verspielt, die wir noch hatten, Meister zu werden und bis zum Schluss um den Titel zu kämpfen.“
Statt des Titels geht es nun lediglich um den zweiten Platz, der die Teilnahme an den Champions-League-Playoffs sichern würde. Doch auch dieser ist gefährdet. „Wir haben auch die Kontrolle darüber verloren, den zweiten Platz zu erreichen – etwas, das früher allein von uns abhing und nun nicht mehr nur von uns abhängt, sondern auch von den Ergebnissen, die noch eintreten könnten.“ Das bedeutet: Benfica ist nicht mehr sein eigener Herr.
Die Situation in Lissabon ist angespannt. Mourinho, der einst für seine Erfolge und seine charismatische Art bekannt war, wirkt frustriert und enttäuscht. Ob er mit seiner offenen Kritik die Spieler aufwecken und doch noch eine positive Wende herbeiführen kann, bleibt abzuwarten. Denn eines ist klar: So kann Benfica keinen Titel gewinnen.
