Motogp assen: der ewige tempel fordert neue helden

Assen – Die MotoGP-Welt hält Einzug in die Niederlande, und mit ihr die Décima des Rennkalenders 2026. Doch Assen ist mehr als nur ein weiterer Stopp; es ist eine Legende, ein Ort, an dem Geschichte atmet und die Zeit stillzustehen scheint. Der TT Circuit Assen, liebevoll „De Kathedraal“ genannt, erwartet die Fahrer und Fans mit seiner einzigartigen Atmosphäre und seinem herausfordernden Charakter.

Die wurzeln des rennsports: vom tourist trophy zum weltmeisterrennen

Die Geschichte von Assen ist untrennbar mit dem legendären Tourist Trophy (TT) der Isle of Man verbunden. Bereits 1925 fanden in den Niederlanden Rennen im ähnlichen Stil statt, auf einem imposanten 28-Kilometer-Stadtkurs, der durch die umliegende Landschaft führte. Seit 1949, mit Ausnahme der pandemiebedingten Pause im Jahr 2020, ist Assen fester Bestandteil der MotoGP-Weltmeisterschaft. Die Zeiten haben sich jedoch drastisch gewandelt: Der ursprüngliche Stadtkurs wich einem technisch anspruchsvollen Rennoval, das die Fahrer bis heute vor große Herausforderungen stellt.

Ein besonderes Merkmal, das lange Zeit die Rennwochenenden in Assen prägte, war der ungewöhnliche Rennzeitplan. Jahrzehntelang wurden die Rennen samstags ausgetragen, anstatt des üblichen Sonntags. Die Gründe für diese Tradition sind bis heute umstritten: Einige behaupten, der Kurs verlief einst so nah an der lokalen Kirche, dass die Rufe der Maschinen die Sonntagsmesse gestört hätten. Andere führen die Entscheidung auf die traditionellen Viehmärkte zurück, die an Sonntagen stattfanden und die Durchführung von Rennen unmöglich machten. Was blieb, ist die unbändige Leidenschaft der niederländischen Fans, die mit ihrer Euphorie eine Atmosphäre schaffen, die an die Hingabe der spanischen Fans in Jerez erinnert – ein wahres Fest des Motorsports.

Die götter von assen: eine hall of fame der motorradlegenden

Die götter von assen: eine hall of fame der motorradlegenden

Ein Rennkurs mit solch einer Tradition kann nur eine außergewöhnliche Liste von Sieger vorweisen. Assen ist ein Olymp des Motorradrennsports, auf dem die größten Namen der Geschichte ihre Spuren hinterlassen haben. Allen voran Ángel Nieto, der unangefochtene König des TT Circuit. Der Spanier feierte hier 15 seiner insgesamt 90 Weltmeistertitel – eine Bilanz, die in der Geschichte der MotoGP ihresgleichen sucht. Ihm folgt Giacomo Agostini mit 14 Siegen, gefolgt von Valentino Rossi, dessen letzter Triumph in Assen 2017 den Abschluss einer glorreichen Karriere markierte. Rossi, der mit 38 Jahren, 4 Monaten und 9 Tagen zum ältesten Fahrer wurde, der ein MotoGP-Rennen gewann, schrieb mit diesem Sieg Geschichte.

Auch weitere Legenden wie Jim Redman, Mike Hailwood, Carlo Ubbiali, John Surtees und der junge Marc Márquez haben ihren Platz in der Ruhmeshalle von Assen gefunden. Pecco Bagnaia hat sich in den letzten Jahren als regelmäßiger Sieger etabliert und kann bereits fünf Siege aufweisen, wodurch er Assen zu seinem persönlichen Revier erklärt hat.

Die Frage, wer dieses Wochenende in „De Kathedraal“ triumphieren wird, ist offen. Doch eines ist sicher: Die Geschichte von Assen wird weitergeschrieben, und neue Helden werden in den Annalen des Motorsports ihren Namen verewigen. Die Fans dürfen sich auf ein Spektakel freuen, das die Faszination des Motorradrennsports in all ihren Facetten widerspiegelt. Denn in Assen sind nicht nur die Maschinen schnell, sondern auch die Herzen der Fans schlagen im Takt der Geschichte.