Morricone: vom fußball-nachwuchs zum wm-hymnus!

Ein unerwartetes Kapitel in der Karriere des Maestro Ennio Morricone: Bevor er die Welt mit seinen Filmkompositionen im Sturm eroberte, schuf er sich in jungen Jahren einen Namen als Sportreporter für die Gazzetta dello Sport. Und das alles, während er noch an der Accademia di Santa Cecilia studierte.

Die anfänge: rom, omi und 800 lire pro artikel

Die Geschichte, die kürzlich ans Licht kam, ist schlichtweg faszinierend. Im Nachkriegs-Rom der 1940er Jahre, während seiner Studienzeit, arbeitete Morricone für die römische Ausgabe der Gazzetta. Mario Pennacchia, damals Redaktionsleiter, schickte den jungen Komponisten, um die Spiele des OMI – Ottico Meccanica Italiana – zu begleiten. Dieser Fußballverein gehörte zu einem Unternehmen, das für die italienische Marine fotografische Ausrüstung herstellte. Ein erstaunliches Detail: Agostino Di Bartolomei, später Kapitän von AS Rom, begann seine Karriere gerade in dieser Mannschaft.

Ein amüsantes Telefonat zwischen Pennacchia und Morricone aus dem Jahr 1978 offenbart eine überraschende Vergangenheit. Pennacchia, der Morricone interviewen wollte, wurde von dem Maestro mit einem Augenzwinkern zur Rede gestellt: „Erinnert sich Herr Pennacchia nicht mehr an die Zeit in Palazzo Sciarra? Da schrieb ich für 800 Lire pro Artikel über den OMI! Was ist nur aus Ihnen geworden?“ – Ein Beweis für die lange und enge Verbindung zwischen dem Maestro und der renommierten Sportzeitung.

Von der vasca navale zum „marcha del mundial“

Von der vasca navale zum „marcha del mundial“

Die Ironie des Schicksals: Nur wenige Jahre später, 1978, sollte Morricone mit der „Marcha del Mundial ’78“ den offiziellen Fußball-Weltmeisterschaftshymnus für Argentinien komponieren. Ein Sprung von den bescheidenen Berichten über den OMI in der Vasca Navale zu einem weltweiten Erfolg. Die Verbindung zum Fußball war also schon früh gegeben, lange bevor er mit seinen Filmscores zur Legende wurde.

Obwohl die Gazzetta nach jahrelanger Suche die genauen Artikel des jungen Morricone über den OMI nicht mehr finden konnte, bleibt die Geschichte ein faszinierendes Zeugnis für die Vielseitigkeit und den unkonventionellen Weg eines der größten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Es zeigt, dass selbst die größten Künstler oft bescheidene Anfänge haben.

Die Gazzetta feiert ihr 130-jähriges Bestehen – eine Institution, die bereits einen jungen Ennio Morricone als Reporter in ihren Reihen zählte. Ein lebendes Denkmal für die lange und bewegte Geschichte des Sports und der Musik.