Morante steht wieder auf: bergischer hc bekommt seinen regisseur zurück
Der Mann, der den Bergischen HC in der vergangenen Saison mit 127 Torvorlagen zum Überleben verhalf, sitzt wieder auf der Bank. Eloy Morante Maldonado ist zurück – und das genau einen Tag, bevor die HBL in die heiße Phase der Abstiegsentscheidungen eintritt.
Ein halbes jahr war das spielfeld sein krankenzimmer
Seit dem 16. November war der 28-jährige Linkshänder nur noch mit Krücke unterwegs. Syndesmosebandriss, Operation, Reha. Die Standarddiagnose, die Karrieren beendet. Morante aber tickt anders. „Er hat jeden Tag zweimal trainiert, einmal mit der Mannschaft, einmal allein mit dem Physio“, sagt Elias Scholtes, selbst noch bis vor zwei Wochen außer Gefecht. „Wenn ich mit ihm WhatsApp, antwortet er um 22:30 Uhr: ‚Bin gerade vom Kraftzimmer.‘ Das ist keine Show, das ist seine Natur.“
Gegen SC Magdeburg darf er wieder auflaufen. Nicht in der Startformation, klar. Trainer Sebastian Hinze will ihn schrittweise einbauen, 15 Minuten vielleicht, vielleicht 20. Aber schon das gibt dem Tabellenvorletzten eine Option, die er in den letzten 17 Spielen nicht hatte: einen zweiten Spielmacher neben Maximilian Holst, der in Morantes Abwesenheit 48 Mal über 30 Minuten gespielt hat und dabei sichtlich ermüdete.

Die logik der transferliste macht den auftritt brisanter
Im Sommer wechselt Morante zum HC Erlangen, das steht fest. Für den BHC also eine Leihgabe mit Verfallsdatum. Dennoch: Wer den Spanier in den letzten Wochen beim Training beobachtete, sah keinen Abwanderer, sondern einen, der jeden Pass schärfer spielte, als ginge es um seinen eigenen Vertrag. „Ich schulde dieser Mannschaft noch etwas“, soll er in der Kabine gesagt haben. Schuldet er den Klassenerhalt? Die Ausgangslage ist dünn: vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, fünf Spieltage noch.
Die Statistik gibt dem BHC recht: Mit Morante lagen sie nach 12 Spielen auf Platz 10, ohne ihn fielen sie auf 17. Die Torquote aus dem Rückraum brach von 62 auf 54 Prozent ein. Die Anzahl verwandelter 7-Meter sank um fast ein Drittel. Die Zahlen sind hart, aber sie erklären, warum die Fans ihn am Sonntag mit stehenden Ovationen empfangen werden – egal, ob er spielt oder nicht.

Die uhr tickt für alle beteiligten
Magdeburg ist kein Gegner, den man sich aussucht, wenn man nur ein paar Minuten braucht. Die Sachsen führen die Tabelle an, haben die beste Abwehr der Liga und kassierten in den letzten fünf Partien nur 108 Tore. Morante kennt sie gut, spielte mit Erlangen zweimal gegen sie. „Sie kommen mit zwei Wellen, wenn du den Ball verlierst, bist du gelaufen“, sagt er. Genau diese Geschwindigkeit will er dem BHC zurückgeben. „Ich bin kein Wunderheiler, aber ich kann die Jungs entspannen. Wenn ich den Ball habe, wissen sie: Der findet schon eine Lücke.“
Die Lücke, die der BHC zu schließen hat, heißt MT Melsungen. Die Hessen liegen vier Punkte vor dem Relegationsrang. Am 34. Spieltag kommt es zum direkten Duell in der heimischenKlingenhalle. Morante weiß: „Wenn wir das Spiel gewinnen und ich drei, vier Tore vorbereite, war die ganze Tortour wert.“ Dann steigt er ab – und trägt trotzdem die Kappe des Retters. Eine Ironie, die ihm sichtlich gefällt.
Der Countdown läuft. Fünf Spiele, maximal 150 Minuten Handball, die darüber entscheiden, ob der BHC in der ersten Liga bleibt oder in die ewige Zweitklassigkeit rutscht. Morante wird nicht die ganze Zeit auf dem Feld stehen. Aber er wird dort sein. Und das reicht, um den Glauben zurückzubringen. In der Kabine, auf der Bank, irgendwann wieder mit Ball in der Hand. „Ich bin kein Fan von großen Reden“, sagt er. „Ich spiele lieber.“ Am Sonntag kann er es endlich wieder tun.
