Wendl/arlt holen kugel in jeans: nachwuchs darf rodeln, könige applaudieren
Tobias Wendl streckt die Kristallkugel in die Höhe – Sneaker statt Spikes, Jeans statt Skin-Anzug. Die Könige sitzen im Zivil, die Prinzen auf dem Eis. In Altenberg wurde Samstag Geschichte geschrieben, ohne dass die Sieger auch nur einmal fuhren.
Der Gesamtweltcup im Doppelsitzer war schon in St. Moritz entschieden. Trotzdem kribbelte es. „Wir sind an die Bahn gefahren und dachten: Jetzt würden wir gern starten“, sagt Tobias Arlt. Stattdessen öffneten sie die Tür für Louis Grünbeck und Maximilian Kührt. Rang elf – direkt hinter den frisch gebackenen Weltmeistern Orlamünder/Gubitz. Das reicht, um sich einen Namen zu machen.

Die zukunft fährt vorbei, die legenden winken
Sieben Goldmedaillen, eine Bronzene aus Cortina, und nun das: die silberne Kugel in der Hand, das Herz beim Nachwuchs. „Wir haben als kleine Stifte auch mal einen Einsatz durch Altstars bekommen. Jetzt geben wir zurück“, sagt Wendl. Die 38-Jährigen werden nicht jünger. Die Kurve hinterm Haus aber wird steiler, weil sie sie frei machen.
Zeitgleich rissen Toni Eggert und Florian Müller ihren eigenen Bahnrekord ein. Dritter Platz, dahinter die Österreicher Steu/Kindl, die auch schon in St. Moritz alles weggebrettert haben. Der neue Rekord: 55,48 Sekunden. Ein Hauch schneller als das alte Ich. „Glückwunsch, aber traurig ist das nicht – irgendwann fällt jede Bestzeit“, sagt Eggert. Er spricht aus Erfahrung.
Die Saison ist vorbei, die Logos werden abgestreift, die Helden gehen in den Skiurlaub. Die Kugel steht im Regal, die Next-Gen auf der Startliste. Und irgendwo zwischen Startblock und Zielband kreist schon die Frage, wer 2025 die Jeans anzieht.
