Mircea lucescu stirbt: rumänien trauert um fußball-patriarch

Mircea Lucescu ist tot. Der Mann, der Rumäniens Fußball vier Jahrzehnte lang prägte, erlag zwei Wochen nach seinem Rücktritt einem Herzversagen. Das Kolosseum von Bukarest wurde zur Leichenhalle, das Universitätsklinikum zur letzten Station.

„Es ist ein schwarzer Tag für Rumänien und den Weltfußball“, sagte Verbandspräsident Razvan Burleanu. Die Nachricht traf die Nation wie ein Konter. Erst am Karfreitag hatte der 80-Jährige seinen Herzinfarkt erlitten – an dem Tag, an dem ihn der Verband eigentlich feuern wollte. Die Ironie: Lucescu ging auf seine Art, mit einem letzten Mittelfeld-Duell gegen die Zeit.

Der letzte auftritt war sein härtester

0:1 gegen die Türkei im WM-Play-off. 80 Jahre und 240 Tage alt. Rekord. Doch das Stadion war kaum leer, da klagte er über Brustschmerzen. Die Mannschaft flog raus, der Patriarch flog ins Krankenhaus. „Möge Gott seiner Seele gnädig sein“, hieß es im Statement der Klinik. Gott hatte wenig Zeit.

Lucescu trainierte Rumänien zweimal: 1981-1986 und dann wieder 2024, mit 79. Ein Comeback, das niemand erwartete, aber jeder verstand. „Il Luce“ war mehr als Trainer – er war Staatsräson. Unter ihm lernten Generationen, dass Fußball keine 90 Minuten sind, sondern ein Lebensstil mit Dresscode Stolz.

Sein Sohn Razvan übernahm 2009 das Amt, nun trauert auch er als Verbandsfunktionär. Die Familie Lucescu ist Rumäniens Fußball-Adel. Vater und Sohn, zwei Bücher derselben Saga, getrennt durch eine Ambulanzfahrt.

Die zahl, die bleibt: 1.300 spiele auf der bank

Die zahl, die bleibt: 1.300 spiele auf der bank

Kein rumänischer Coach kam an diese Marke heran. Lucescu siegte in Ländern, Sprachen und Epochen. Shakhtar Donetsk machte ihn zum König der Ukraine, Inter Mailand zum Gast im San-Siro-Logen. Doch sein Herz schlug immer in Bukarest. Dort endet nun auch sein Zeitspiel.

Die Nationalmannschaft postete ein Foto: Lucescu in Schwarz-Weiß, Taktikbrett in der Hand, Blick wie ein Schachspieler vor dem Zug, der die Welt verändert. Dazu der Satz: „Er lehrte uns, dass Fußball ein würdevoller Lebensstil ist.“ Ein Lebensstil, der am Karfreitag eine rote Karte vom Schicksal bekam.

Rumänien wird morgen gegen Liechtenstein spielen. Die Mannschaft wird Trauerflor tragen, das Stadion eine Minute Schweigen. Dann wird der Ball rollen – weil Lucescu gelehrt hat: Nach dem Abpfiff kommt immer ein Anstoß. Aber diesmal ohne den Mann, der die Uhr anhielt, wenn er sprach.