Minden rettet sich in letzter sekunde: 32:32 gegen stuttgart

Zwei Sekunden vor Abpfiff flog der Ball von Mats Korte noch einmal durch die Kampa-Halle. Dann brach ihnen die Welt nicht zusammen – sie blieb gerade noch in der 2. Bundesliga hängen. GWD Minden hat im Abstiegsgipfel gegen TVB Stuttgart mit einem 32:32 den ersten Punkt nach der Rückkehr in die heimische Arena geholt. Stuttgart wiederum wartet nach wie vor auf den ersten Auswärtssieg dieser Saison.

Stuttgart dominiert, minden findet sich wieder

Die Gäste begannen wie entfesselt. Nach sieben Minuten stand es 5:2 für die Schwaben, und Minden wirkte wie festgenagelt. Die Vier-Rückraum-Formation des TVB ließ die Gastgeber zappeln, vorne prallten die Würfe am Aluminium oder an Miljan Vujovic ab. Doch dann schaltete Alexander Weck den Turbo. Der Rückraumspieler lenkte das Spiel, fand Lücken, schoss selbst – und brachte Minden zurück. Karolis Antanavicius drehte mit seinem dritten Treffer auf 7:6 die Partie (13.).

Die Häfner-Brüder antworteten. Kai Häfner verwandelte einen Siebenmeter, Max Häfner zog die Fäden. Vujovic parierte, traf sogar ins leere Tor – 19:16 zur Pause. Die Stuttgarter hatten alles im Griff. Oder dachten es zumindest.

Minden-keeper semisch wird zur mauer

Minden-keeper semisch wird zur mauer

Nach dem Seitenwechsel war plötzlich ein anderer Minden auf dem Feld. Malte Semisch wehrte innerhalb von zehn Minuten zehn Bälle ab, Weck servierte wie ein Dirigent, und Antanavicius glich zum 21:21 aus (35.). Die Kampa-Hall tobte. Jetzt war es ein Krimi, bei dem jeder Ball wie ein Messerstich wirkte. Stuttgart wurde hektisch, Minden riss das Heft in die Hand und ging erstmals mit 23:22 in Führung (39.).

Misha Kaufmann nahm die Auszeit, forderte Ruhe – bekam sie aber nicht. Es ging hin und her, ein Spiel auf Messers Schneide. Kai Häfner war es, der Stuttgart mit 29:28 in Front schoss (53.). 30 Sekunden vor Schluss glich Minden erneut aus, wieder war es Häfner, der Stuttgart auf die Siegerstraße schickte – und dann kam diese letzte Attacke.

Korte trifft, stuttgart verliert den faden

Jakob Nigg gab Korte zwei Sekunden vor dem Ende zu viel Raum. Der Linksaußen zog ab, der Ball schlug ein, die Halle explodiert. „Ich gebe ihm wahrscheinlich nach außen hin zu viel Platz, weil ich Angst hatte, dass er einläuft. Das ist ganz klar mein Fehler“, sagte Nigg. „Es fühlt sich an wie eine Niederlage.“

Mindens Mats Korte atmete durch. „Das macht es doppelt besonders, aber letztendlich ist es auch nur ein Punkt auf dem Weg zum Klassenerhalt“, sagte er. Der Weg ist noch lang. Für Minden bedeutet der Punkt, dass der Abstand zu Leipzig auf vier Zähler wächst. Für Stuttgart bleibt der erste Auswärtssieg ein Phantom. Sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz – das reicht nur, wenn man solche Spiele nicht noch einmal in letzter Sekunde verschenkt.

Der Abstiegskampf bleibt offen. Minden darf kurz durchatmen. Stuttgart muss weitermachen – und irgendwann auch mal auswärts gewinnen.