Milano-sanremo: pogacar sprengt den mythos, ganna versinkt im mittelfeld

Die Via Roma wird zum Schauplatz eines neuen Märchens. Tadej Pogacar schreibt mit einem Sprint aus der Favoritengruppe die nächste Geschichte des „La Primavera“ – und macht dabei selbst dem Wetter keine Beine. Die 116. Ausgabe der Milano-Sanremo endet mit dem slowenischen Weltmeister im Trikot des Ersten, doch die Blicke richten sich auch auf jene, die hier eigentlich groß auftreten wollten und nur mittelprächtig abschnitten.

Filippo ganna bleibt hinter den erwartungen

Der Zeitfahr-Weltmeister startete als Joker der Ineos-Equipe. 300 km, 3.600 Höhenmeter – das Profil schien ihm auf dem Papier zu liegen. Am Poggio jedoch fehlte die letzte explosive Antwort. Ganna rollte als 63. durchs Ziel, 4:17 Minuten hinter Pogacar. Keine Note „ausreichend“, sondern ein mageres „5-“ in der Redaktions-Rangliste. Die Zahlen offenbaren: 45 Sekunden Verlust auf dem letzten Anstieg – das ist auf 3,7 km zu viel für einen Mann, der sonst gegen die Uhr dominiert.

Tom Pidcock wiederum liefert das, was man von ihm erwartet: Offensive am Cipressa, Angriff am Poggio, finale 9. Platz – ein kleiner Sieg im Kopf des Briten. „Ich wollte testen, wo ich stehe“, sagt er nach dem Rennen, das nasse Kaltgestrüpp auf den Knien. Seine Lohnung: wertvolle WorldTour-Punkte und ein Koffer volles Selbstvertrauen für die Ardennen-Klassiker.

Mads pedersen und juan ayuso de toro – die stillen gewinner

Mads pedersen und juan ayuso de toro – die stillen gewinner

Pedersen tankte als 15. ebenfalls WorldTour-Zähler und bewies, dass seine Gravel-Trainingsrennen auf den dänischen Waldwegen Früchte tragen. Ayuso de Toro komplettierte das Top-20-Bild des jungen Movistar-Kaders und zeigt, dass der spanische Radsport langsam wieder auf die Beine findet.

Der Wind von Levante wehte heiß durch die Palmenallee, doch wer zuhause auf dem Sofa saß, bekam die alte Wahrheit serviert: Auf der Via Roma zählt nur die letzte 300-Meter-Explosion. Pogacar beherrscht sie, Ganna noch nicht. Und Pidcock? Der darf sich nach dem neunten Rang weiter in die Top-Gruppe verträumen. Für die Statistik heißt es: 116 Rennen, 116 Geschichten – und keine endet mit einem Fragezeichen.