Milano-sanremo ohne milan: lidl-trek verliert vor der classicissima ihren turbo
Die 117. Milano-Sanremo droht zur Geduldsprobe für Lidl-Trek zu werden. Drei Tage vor dem Start fehlen zwei Namen auf der Startliste, die eigentlich für das deutsche Team stehen sollten: Mads Pedersen und Jonathan Milan. Pedersen laboriert noch an Handgelenk und Schlüsselbein, die er in der Vuelta Valenciana hinnehmen musste. Milan, bislang der heißeste Sprinter des Frühjahrs, wurde von einem Infekt außer Gefecht gesetzt.
Der speeder aus friaul fällt aus – und mit ihm 14 saisonsiege
Milan hatte die Tirreno-Adriatico mit einem fulminanten Etappensieg in San Benedetto del Tronto abgeschlossen. Statt zu feiern, lag er am Tag danach mit Fieber im Bett. Die Lidl-Trek-Mannschaft zog sofort die Reißleine: Kein Risiko vor der wichtigsten Frühjahrsklassiker. Für Milan bedeutet das Aus den vorläufigen Endpunkt einer Erfolgsserie, die ihn Anfang März zum gefährlichsten Sprinter des Pelotons machte – mit fünf Etappen bei AlUla und UAE Tour sowie der Krönung in Italien.
Ohne ihn wird das taktische Korsett von Lidl-Trek aufgerissen. Pedersen war ohnehin nur ein Zielscheiben-Traum; seine Heilung verläuft langsamer als erhofft. Jetzt fehlt auch der Mann, der in der Lage war, auf der Via Roma mit Van der Poel und Philipsen mitzuschwimmen. Die Alternative: Matteo Moschetti oder der Klassiker-Allrounder Giulio Ciccone, die aber weder reine Sprinter sind noch die Top-Speed-Reputation Milans mitbringen.

Die konkurrenz atmet auf – und pogacar plant den alleingang
Die Absage wirkt wie ein Startplatz-Geschenk für Alpecin-Deceuninck und UAE Team Emirates. Jasper Philipsen und Fernando Gaviria bekommen eine Spur mehr Luft auf der Via Roma. Und Tadej Pogacar? Der Slowene hat angekündigt, schon auf dem Turchino zu demontieren, wenn nötig. Ohne Lidl-Trek im Hinterkopf kann er seine Attacke früher timen, ohne auf Konter aus dem deutschen Lager zu achten.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Milan gewann in diesem Jahr 71 % aller Sprintentscheidungen, an denen er teilnahm. Sein Schaden entspricht für Lidl-Trek einem Handicap von fast drei Sekunden auf den letzten 250 Metern – eine Ewigkeit auf der Via Roma.
Für Birgit Richter ist klar: Die Classicissima verliert einen ihrer Hauptdarsteller, bevor die Vorstellung beginnt. Die 298 Kilometer von Mailand nach Sanremo werden härzer, unberechenbarer – und für das deutsche Team zur Nagelprobe. Am Samstag wird sich zeigen, ob Lidl-Trek aus der Deckung kommt oder zur Fußnote der Saison wird.