Milano scheitert im tiebreak - guidetti und vakifbank ziehen ins halbfinale ein
Die Tränen waren noch nicht trocken, da stand schon fest: Istanbul wird ohne Allianz Vero Volley Milano stattfinden. Nach 2:3 (22:25, 25:16, 16:25, 25:23, 12:15) im Rückspiel und damit 4:6 im Gesamtscore schickt Tijana Boskovic & Co. die Lombarden in den frühen Urlaub. Giovanni Guidetti und sein Vakifbank treffen nun im Halbfinale auf Conegliano.
Was für eine Achterbahnfahrt. 32 Eigenfehler der Gastgeberinnen – das ist keine Statistik, das ist ein Selbstschuss. Paola Egonu war mal wieder die Leuchte, aber auch sie verlöschte in den entscheidenden Momenten. 23 Punkte, ja, aber zwei direkte Fehler im Tiebreak reichten, um die Träume platzen zu lassen.
Das mauerwerk von danesi und kurtagic hielt, der angriff brach weg
Christina Danesi und Sara Kurtagic bauten ein Fort aus acht Blockpunkten, hielten die Mitte dicht wie Beton. Doch draußen am Netz zerriss das Tuch. Khalia Lanier startete mit dem Anspruch, Egonu zu entlasten, endete bei 10 Punkten aus 30 Angriffsversuchen – ein Wirkungsgrad, der selbst in der Serie C für Stirnrunzeln sorgen würde.
Guidetti hatte seine Hausaufgaben gemacht. Statt auf eine Einzelkönigin zu setzen, mischt er Markova (23 Zähler, 6 Blocks) immer wieder durch die Mitte, zwingt Milano in Rotationen, die Lavarini nicht kompensieren kann. Das Ergebnis: Ein 8:4-Sprint im Tiebreak, den selbst der Wechsel auf Akimova nicht mehr ausbügeln kann.
Die erste Halbzeit des fünften Satzes war ein Psychowettkampf. Beide Teams warfen sich mit Auswürfen an die Wand, bis ein einziger Rezeptionsfehler von Marina Gelin das Türken-Tempo wieder aufdreht. Die Zuschauer im Mediolanum Forum hielten den Atem an – vergeblich.

Ein schritt vor, zwei zurück: milanos mentale achillesferse
Statistiken lügen nicht, aber sie erzählen auch nicht die ganze Geschichte. Die taktische Halbzeitansage von Lavarini im vierten Satz wirkte wie ein Kurzschluss: Piva traf, Egonu wurde freigespielt, Milano ging 21:20 in Führung. Dann kam wieder dieses Déjà-vu: ein Zuspiel zu weit, ein Angriff ins Netz, ein Block ins Aus. 23:25 – und plötzlich war die Energie weg.
Guidetti dagegen strahlte Gelassenheit aus. Er wusste: Sein Kader ist tiefer, seine Aufschlagserie gefährlicher, seine Libera knallharter. Als er nach dem Abpfiff die Hand hebt, ist das kein Siegestaumel, sondern eine Routinegeste. Er war schon oft da, Milano noch nicht.
Für die Lombarden bleibt die bittere Erkenntnis: Champions-League-Tiebreaks gewinnt man nicht mit Herzblut allein. Man gewinnt sie, indem man in Satz drei nicht 16 Punkte lässt, indem man in den entscheidenden Phasen den Aufschlag trifft statt verzieht, indem man eben nicht 32 Mal die eigene Kiste anzündet. Kleine Marginalien, großer Unterschied.
Nun fliegt Vakifbank nach Istanbul, wo Conegliano wartet – und Milano fliegt nach Hause, wo die Fragen warten. Die Saison ist nicht vorbei, aber der Traum von der Final Four schon. Und wer weiß, vielleicht genau das, was das Team braucht, um nächstes Jahr wiederzukommen – diesmal ohne Netzbrand und mit kühleren Köpfen.
