Milan verspielt titel-chance – leao flippt gegen pulisic aus
Ein Aufschrei ging durch San Siro, dann knallte es auf der Bank: Rafael Leao schlug seine Trinkflasche zu Klump, Minuten später knallte es in der Kabine. Der AC Milan verlor gegen Lazio 0:1, liegt jetzt acht Punkte hinter Inter – und die eigene Sturmriege zerlegt sich mit Handschuhen.
Die Szene, die alles anheizte, war schnell geschehen. Zweimal, in der 53. und 59. Minute, hatte Christian Pulisic die Chance, Leao mit einem Pass in die Tiefe zu schicken. Zweimal zögerte der US-Amerikaner, stattdessen suchte er den Dribbling. Zweimal stand der Portugiese frei, zweimal blieb die Kugel stecken. Leao stemmte die Arme in die Hüfte, schrie über den Platz, pfiff Pulisic an. Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass die Chemie zwischen den beiden wie ein vergessener Versuch in einem Schulbuch verloren wirkt.
Allegri muss schlichten, maignan vergeblich
In der 67. Minute nahm Trainer Massimiliano Allegri Leao runter, stellte Niclas Füllkrug in die Mitte. Auf der Bank ging der 26-Jährige weiter auf 180, Trinkflasche hin, Wut raus. Kapitän Mike Maignan legierte sich neben ihn, flüsterte, legte den Arm um die Schulter. Allegri kam dazu. Nichts half.
Was dann in der Umkleide folgte, beschreibt die Gazzetta dello Sport als „vivace“, ein Euphemismus für laut, heiser, mit Gestik. Leao soll Pulisic vorgeworfen haben, nicht für den Kollegen zu spielen, sondern nur für die eigene Statistik. Allegri musste dazwischengehen, um zu verhindern, dass aus Wortschlacht Handschellen werden. Die Stimmung im Lager ist auf Null gekippt.
Die Zahlen sind gnadenlos: Milan hat aus den letzten fünf Spielen nur vier Punkte geholt, dabei 196 Minuten ohne Tor. Mit Leao und Pulisic gemeinsam auf dem Platz fällt das Team in dieser Saison 0,8 Tore pro 90 Minuten – ohne den Portugiesen steigt die Quote auf 1,4. Die Passgenauigkeit zwischen den beiden liegt bei 71 %, unter Teamdurchschnitt.

Scudetto fast weg, champions league plötzlich fraglich
Die acht Punkte Rückstand auf Inter sind keine Matheaufgabe mehr, sondern ein Grab. Noch wichtiger: Der Vorsprung auf den fünften Platz – und damit Risiko Quali – schrumpft auf vier Zähler. Das Restprogramm bringt Bologna (Auswärts), Sassuolo (Heim) und ein Finale gegen Atalanta. Allegri muss jetzt entscheiden, ob er das Duo spalten oder kitten will.
Der Coach sprach nach dem Spiel von „Einzelkritik im Kollektiv“, meinte, Pulisic werde „konditionell besser“. Das klang wie ein Lehrer, der ein schlechtes Zeugnis mit einem Lächeln zudeckt. Leao dagegen stapfte ohne Dusche durch den Mixed Zone-Korridor, nur ein Satz: „Wir reden intern.“ Klingt nach einer Drohung, die sich bis zum nächsten Spiel zieht.
Am Sonntag geht’s nach Udine. Werden sich die beiden wieder in die Quere kommen? Oder trennt Allegri vorher den Knoten? Die Saison ist nicht mehr zu retten, aber die Stimmung schon – wenn jemand die Flasche behält und den Ball rollen lässt.
