Milan stolpert über sich selbst: leao wirft pulisic vor, das angriffs-rätsel bleibt

Der AC Mailand schießt sich aus dem Titelrennen – und das Problem trägt die Nummer 10 und 11. Rafael Leao stampfte wütend vom Platz, weil Christian Pulisic ihn in der 74. Minute nicht bediente. Die Szene passt wie ein Faustschlag ins Kalkül: 44 Tore nach 29 Spieltagen, Platz fünf in der Offensivtabelle, 21 Treffer Rückstand auf Inter. Die Meisterschaft? Schon jetzt nur noch ein Wunschtraum.

Die leao-pulisic-allianz ist ein mythos

Die Zahlen sind brutaler als jede Pressekonferenz. Seit Februar 2025 standen Leao und Pulisic gemeinsam auf dem Rasen – und erzielten dabei genau ein Tor im selben Spiel. Eins aus 17 möglichen Partien. Der Portugiese traf zuletzt, als der US-Boy bereits duschen war oder noch auf der Bank saß. Gegner Cagliari, Genoa, Como, Cremonese – alles Erfolge, aber keine davon mit gemeinsamem Toranteil. Der Chemieversuch ist gescheitert.

Trainer Massimiliano Allegri versucht, das offensiv-Tetris zu lösen, indem er es einfach nicht mehr spielt. Seit dem 18. Februar wechselt er stattdessen durch: mal Leao links, mal Pulisic rechts, dann wieder beide, aber nie mit Ertrag. Niclas Füllkrug rutschte gegen Lazio komplett ab, kaum Ballkontakt im Sechzehner. Christopher Nkunku blitzte auf, aber eben nur kurz. Die vier nominellen Stürmer wirken wie Gäste auf derselben Hochzeit, die sich nicht zugehören.

Der körper spricht, das tor schweigt

Der körper spricht, das tor schweigt

Leaos Körpersprache ist lauter als die Curva Sud. Langsame Auswechselgänge, Schultern nach unten, Blick weg – Igli Tares irritierter Kommentar „Ma guarda che roba, come fa?“ fasst die Stimmung zusammen. Die Pubalgie nagt weiter an seinem Sprint, doch das erklärt nicht die mentale Lethargie. 9 Liga-Treffer, einer per Elfmeter, das ist für einen Flügelstürmer mit 80-Millionen-Marktwert ein Armutszeugnis.

Pulisic wiederum wirft sich zwar in jedes Duell, doch seine Hereingaben prallen an der ersten Verteidigung ab. Kein Spieler gewann in Rom weniger Zweikämpfe (25 %). Die USMNT-Bank ist längst alarmiert, denn der eigentliche Dauerbrenner droht zur Transferliste zu mutieren.

Markt beginnt im märz

Markt beginnt im märz

Die Lösung? Sie heißt Moise Kean – zumindest im Kopf von Allegri. Der Juve-Ausleihe liefert Pressing, Tiefe und vor allem: Präsenz im Strafraum. Die Scout-Liste ist längst auf „Sommer 2026“ umgestellt: Nicolas Jackson, Joshua Zirkzee, sogar ein erneuter Flirt mit Victor Osimhen kursiert. Doch selbst ein neuer Stürmer wird nichts nützen, wenn Leao und Pulisic parallel weiter ihre Bahnen ziehen statt sich zu kreuzen.

Mailand muss umdenken, sonst wird die Saison zur bloßen Vorbereitung auf Inter nächstes Jahr. Die Rossoneri schossen 21 Tore weniger als der Stadtrivale – das ist keine Momentaufnahme, sondern ein Makro-Trend. Wer den Titel will, kann sich keinen Luxus von zwei Stars leisten, die zusammen weniger treffen als ein einzelner Lautaro Martinez. Die Rechnung ist einfach: Ohne Tore kein Scudetto. Und ohne Leidenschaft keine Tore. Die Uhr tickt – und Allegri weiß: Der Markt beginnt nicht im Juni, sondern jetzt, mit jedem weiteren Spiel, in dem seine Offensive stolpert.